Als Literaturtipp zum Wochenende empfehle ich eine empirische Studie von Fleischhauer, Hoyer & Partner (ehemals Mackewicz & Partner). Die Studie ist im Februar 2008 erschienen, hat aber meiner Meinung nach auch sechs Monate nach ihrer Veröffentlichung immer noch höchste Relevanz. Erstellt wurde die Studie im Auftrag des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Auf über 120 Seiten (Langfassung) wird mit dem notwendigen Tiefgang das Anlageverhalten deutscher institutioneller Investoren in Venture Capital behandelt. Ziel dabei war es die Beweggründe zu erkunden, warum deutsche institutionelle Investoren (z.B. Banken, Versicherungen, Pensionskassen) bisher so wenig Kapital in Venture Capital-Fonds investieren und darauf aufbauend Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Hierzu untergliedert sich die Studie in vier Kapitel:

1. Historische Entwicklung des deutschen Venture Capital Marktes

2. Investoren-Struktur in Deutschland/Europa

3. Gesetzliche Rahmenbedingungen

4. Analyse des Anlageverhaltens institutioneller Investoren in Deutschland

Aus den vier inhaltlichen Kapiteln werden abschliessend konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet, über welche Deutschland es schaffen soll, mehr institutionelles Kapital in Venture Capital-Fonds zu bekommen. Persönlich fand ich das Kapital mit dem europäischen Vergleich und das Kapitel zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen am spannendsten. Überrascht war ich, dass Family Offices derart viel in die Anlageklasse "Venture Capital" investieren (25% des Gesamtvolumens an Private Equity-Investitionen gehen in Venture Capital). Sehr schade find ich, dass für Privatanleger der Zugang zur Anlageklasse "Venture Capital" immernoch extrem schwer ist (kenne keinen VC-Fonds, in welchen Privatanleger mit weniger als 5.000 Euro investieren können). Beeindruckt bin ich von folgendem Vergleich zum Fundraising: Über die vergangenen Jahre haben deutsche Pensionskassen "nur" 2,4 Mrd. Euro in lokale Private Equity-Fonds investieret. Zum Vergleich: Allein im Jahr 2006 haben in UK "pension funds" über 24 Mrd. Euro in Private Equity investiert. Der Unterschied ist hier wohl darin zu sehen, dass die angelsächsischen Länder mit Kapital gedeckte Pensionssysteme haben und in Deutschland ein Umlage finanziertes System etabliert ist. Etwas merkwürdig fand ich die Empfehlung, dass das vermeintliche Verlustrisiko von Venture Capital durch die Einführung einer staatlichen "Kapitalerhaltungsgarantie" zur Risikoabsicherung abgemildert werden soll. Soll der Staat jetzt für die Verluste von schlecht gemanagten Venture Capital-Fonds aufkommen und den institutionellen Investoren risikolose Venture Capital-Investition ermöglichen? In letzter Konsequenz würde somit das Risiko auf die Steuerzahler übertragen, welche dabei nur verlieren können. Kurios... Die Vollversion der Studie kann bei Fleischhauer, Hoyer & Partner auf der Website heruntergeladen werden. Für die Leute unter uns, die auch am Wochenende einen vollen Terminkalender haben gibt's auch eine Kurzfassung der Studie. Ich wünsche gute Unterhaltung und viel Spass damit!

1 COMMENT

  • http://www.dont-pay.de Malte

    Sehr schön, viele Dank. Da hab ich gleich was zu lesen.