In unregelmäßigen Abständen werde ich Euch hier Interviews mit interessanten Startups präsentieren. Im Mittelpunkt der Interviews steht natürlich immer die Frage der Finanzierung (soweit der oder die Gründer mit Informationen rausrücken). Ziel der Interviews ist es, den Gründern Tipps in Form von „Lessons Learned“ zu entlocken. Den Auftakt macht Thomas Schulze von Spirofrog. Thomas, kannst Du uns kurz beschreiben was Spirofrog genau macht und was die USPs von Spirofrog sind? Spirofrog ist DIE Karriere-Plattform für Unternehmen, Studenten, Absolventen und Young Professionals. Unser Ansatz ist simpel, wir wollen die „Gelben Seiten“ für Jung-Akademiker werden. Wir haben durch Umfragen und Statistiken herausgefunden, dass Studenten-/innen, die auf der Suche nach interessanten Firmen sind, leider nur sehr wenige Firmen kennen. Dieses Manko wollen wir beseitigen, indem wir Firmen unter jungen Akademikern bekannt manchen. Wir informieren Studenten über den Markt, die Firmengrössen, die Produkte, etc. Jedes Unternehmen auf unserer Plattform kann sich mit einem Firmenprofil und Logo darstellen. Und „on top“ können sich die Studenten auch direkt bei den Unternehmen bewerben. Vereinfacht: Wir sind das Xing für Unternehmen. Firmen stellen sich vor, präsentieren sich und Studenten/-innen informieren sich. Später kommen sie über spirofrog.de direkt mit den Unternehmen in Kontakt. Gerade für den Mittelstand und KMUs ist dies wichtig, da diese meist nur regional bekannt sind und High-Potentials häufig gar nicht erreichen. Spirofrog ändert dies! In den letzten Monaten sind zahlreiche Karriereplattformen für Young Professionals auf den Markt gekommen. Worin genau unterscheidet sich Spirofrog von Yourcha, Absolventa, 15Talents, Younect, etc.? Modelle wie Yourcha und Absolventa mögen zwar ganz spannend klingen, aber es entstehen hier für die Unternehmen deutliche Mehrkosten. Die Prozesskosten bei der Nutzung einer CV-Datenbank sind immens und binden Menschen und Kapital – und das vor allem in den chronisch unterbesetzten HR-Abteilungen. Auch Younect verfolgt einen ähnlichen Ansatz, kommt aber aus der Ausbildungsecke, in der wir gar nicht aktiv sind und auch nicht sein werden. Unser Fokus ist die „Junge Karriere“ – die Karriere-Plattform für junge Akademiker. Wir wollen eher mit Stepstones, Monster oder der FAZ bzw. der Süddeutschen verglichen werden. Wir steigern das Arbeitgeberimage in der relevanten Zielgruppe durch dauerhafte Präsenz zu überschaubaren und planbaren Kosten. So bieten wir z.B. eine Anzeigen-Flatrate. Für 895 Euro pro Jahr können Unternehmen bei uns beliebig viele Stellenanzeigen platzieren. Dies bietet keine andere Karriere-Plattform. 15Talents versucht den Markt der studentischen Unternehmensberater zu fokussieren und wird hierbei ganz kräftig von den Medien und Verlagen unterstützt. Ich denke, dass ist ein ganz ordentlicher Ansatz, hat aber nichts mit unserem Thema „vom Praktikum zum Berufseinstieg“ zu tun. Auf der Homepage schreibt Ihr, dass Spirofrog für Unternehmen „Limited“ ist. Was verbirgt sich dahinter? Wollt Ihr nicht in den Himmel wachsen, wie eigentlich alle Startups? Beschränkt Ihr dadurch nicht Euer Ertragspotential? Nein, wir haben uns selbst eine interne Zielgrösse an Jobs und Unternehmen auf der Plattform gesetzt, damit die Plattform nicht zu überladen wird. Man kann aber davon ausgehen, dass bei 1.000 Firmen mit Sicherheit noch nicht Schluss ist, wohlgemerkt in Deutschland. Ich denke, jeder Markt sollte in diesem Punkt gesondert betrachtet werden. Kannst Du uns bitte ein paar Zahlen nennen? Wann wurde Spirofrog gegründet? Wieviel User/Unternehmen sind bereits registriert? Wieviel Mitarbeiter hat Spirofrog? Anfang 2007 wurde mit den ersten Vorbereitungen begonnen. Online sind wir seit dem 07.07.2007. Wir haben mittlerweile etwa 100 Unternehmen, die Spirofrog aktiv nutzen (inkl. Kunden wie Bertelsmann, eBay, HolidayCheck, RWE, etc.). Davon sind etwa 50 Prozent Zahlende, da wir „Startups“ kostenlos auf der Plattform präsentieren. Insgesamt haben wir im Augenblick rund 750 Stellenanzeigen online. Bei Spirofrog sind einige tausend Arbeitssuchende registriert. Genaue Zahlen veröffentlichen wir leider nicht. An der Weiterentwicklung von Spirofrog arbeiten im Augenblick sieben Personen (vier Gründer, ein festangestellter Mitarbeiter und zwei Praktikanten). Wie finanziert sich Spirofrog? Wie wurde die Anfangsfinanzierung gemeistert? Die bisherigen Investitionen in Spirofrog belaufen sich auf rund 100.000 Euro, welche überwiegend von den vier Gründern aus privaten Ersparnissen getragen wurden. Weiterhin konnten wir einen kleinen Partner finden, der einen fünfstelligen Betrag investiert hat. Spirofrog generiert seit dem zweiten Online-Monat Umsatz. Dieser steigt langsam aber stetig und trägt momentan fast alle Kosten. Im Moment planen wir einen Jahresumsatz von rund 70.000 Euro. Wir haben von Beginn an fast alle Kosten so gering wie möglich gehalten. Fahren also keine Porsche und haben auch kein Loft als Büro. Ich denke, dass diese Zeiten für Internet-Startups sowieso seit dem Jahr 2000 (zum Glück) vorbei sind. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Eurem externen Geldgeber? Agiert dieser als Mentor und steht mit Tipps und Kontakten zur Verfügung oder ist dieser ein reiner Finanzinvestor? Verläuft die Zusammenarbeit wie erwartet? Unser „Partner“ agiert hier eher „undercover“ und öffnet so manch weitere Tür zu potentiellen Kunden und Partnern. Die Zusammenarbeit geschieht hier eher auf Zuruf und ist selten mit Treffen verbunden. Hier gibt es schon seit Jahren eine grosse Vertrauensbasis, so dass dies mehr auf Zuruf geschieht. Klar kann immer mehr dabei rauskommen, aber hier hilft die Zeit auch. Geschäfte brauchen zuerst eine Basis, um sich dann entwickeln zu können. Plant Ihr eine größere Kapitalerhöhung, um ein noch schnelleres Wachstum zu schaffen oder wollt ihr ausschliesslich organisch wachsen? Ich denke, es ist Zeit darüber nachzudenken. Es gab auch schon die ersten Anfragen. Wir entwickeln uns allerdings organisch sehr gut, so dass wir Zeit haben. Wir sind jedoch für Gespräche und Partner offen. Was würdest Du heute anders machen, wenn Du Spirofrog nochmals neu gründen würdest? Evtl. würde ich noch früher externes Kapital hereinholen. Jedoch ist das bei unserem Geschäftsmodell nicht so einfach, da keiner glaubt, dass man es schafft auf beiden Seiten Nachfrage zu generieren. Spirofrog ist allerdings der Beweis, dass es klappen kann. Wir sind sowohl bei Studenten als auch Unternehmen bekannt und werden diese Bekanntheit nun auch mit Partnern weiter ausbauen. Ziel ist es mittelfristig 500 Unternehmen mit rund 5.000 Jobs dauerhaft auf der Plattform zu haben. Kann man schon sagen um welche Partner es sich handeln wird? Wir haben im Augenblick Kooperation mit Careerbuilder.de, der Passauer Neue Presse, der Schwäbischen Zeitung sowie mit Studilux und Studi.biz realisiert. Weiterhin ist im Augenblick noch ein Mash-Up mit WhatsYourPlace angedacht, damit Studenten ihre Job-Location aus der Vogelperspektive taggen und tracken bzw. sogar virtuell kaufen können. In welche Bereiche hättet Ihr verstärkt investiert, wenn Ihr von Anfang an einen großen Finanzpartner mit im Boot gehabt hättet? Wofür könntet Ihr am Besten weitere finanzielle Mittel gebrauchen? Da kann es als Anwtort nur Sales und Marketing geben, das sind unsere Schlüsselbereiche: Content ist King! Mit jedem weiteren Kunden und dessen Jobs steigt unsere Bekanntheit. Denkst Du, dass es mittelfristig zu einer Konsolidierung auf dem Markt für Karriereplattformen kommen wird? Falls ja, wie wappnet sich Spirofrog dagegen? Was könnte ein Auslöser für die Konsolidierung sein? Evtl. Anschlussfinanzierungen? Ich denke, es wird immer wieder „new entrants“ geben und etablierte Nischen-Player bleiben im oder erweitern ihr Geschäft. Weiterhin denke ich, dass der Online-Jobmarkt auch in Zukunft organisch wachsen wird und Verlage hier ihr Geschäft erodieren sehen. Das ist der Zeitpunkt für Kooperationen von neuen Plattformen mit alteingesessenen Verlagen und Zeitungen gemäss dem Motto „Buy or Build“. Hier hilft uns unsere Markenbekanntheit doch schon sehr und wir werden weiterhin agressiv Marketing betreiben, um unsere Marke nachhaltig zu stärken. Nächstes Jahr stehen schon wieder einige neue Player an, die auf den deutschen Jobmarkt wollen. Wir werden sehen, wer davon überlebt. Ich denke, dass Anschlussfinanzierungen schwer zu realisieren sind, wenn nicht profitabel gewirtschaftet wird.  Wir von Spirofrog wappnen uns mit einfachen Mitteln: niedrige Kosten, profitables Wirtschaften und eine Steigerung der Markenbekanntheit! Was können wir von Spirofrog in der Zukunft erwarten? Wie wird Spirofrog in fünf Jahren aussehen? In zehn? Spirofrog wird in fünf Jahren das Portal für die „Junge Karriere“ sein, sozusagen die „Gelbe Seiten“. Wenn man als junger Akademiker bzw. junge Akademikerin auf der Suche nach Jobs und Ideen während bzw. nach dem Studium ist, dann muss der erste Gedanke auf Spirofrog fallen. Evtl. werden wir bis dahin auch „Offline und Networking“-Events veranstalten, wie wir es zum Thema „Cleantech“ im Januar 2008 schon in München getestet haben. Im übrigen mit hervorragender Resonanz! Welche Tipps kannst Du Leuten mit auf den Weg geben, die im Augenblick planen ein eigenes Startup zu gründen? Einfach machen, vergiss die ganzen Business Pläne und Präsentationen, lege los und lerne am Markt – am besten schnell! Und baue ein Business Modell, dass wenig von Werbung abhängig ist! Lass Dich nicht von Kontakten und manchen selbsternannten „Gurus“ abzocken. Wenn Dein Business Modell gut ist, dann funktioniert es am Anfang auch ohne Geld! Und ne Tiefkühlpizza schmeckt schliesslich auch mal gut ;-) Thomas, vielen Dank für das interessante und aufschlussreiche Interview. Viel Glück mit Spirofrog!

10 COMMENTS

  • http://www.swissre.com Siggie Mayer

    Toller Beitrag!! Glückwunsch, super Interview, und eine ganz tolle Idee und Plattform. Gruss Siggie von der http://www.swissre.com

  • Ben

    Frischer Wind mit vielen neuen Ideen auf dem sonst so langweiligen Recruiting-Markt. Schön zu hören, dass Web 2.0 auch in diese Bereiche vordringt!

  • http://www.younect.de Martin Gaedt

    In weniger als 24 Stunden haben wir über spirofrog.de drei interessante Bewerbungen bekommen. Hut ab. Das überzeugt uns sofort. - Eine Bemerkung zum erwähnten e-Matching-Portal YOUNECT. Da Schüler durchschnittlich 20 Berufe von 350 Ausbildungsberufen und 2000 Studiengängen kennen und sich auf dieser Basis für Ausbildungen bewerben, ist die Berufswahl nicht optimal und führt zu über 20% Ausbildungsabbrüchen. Das verbessert YOUNECT durch webbasierte Berufsorientierung. Von den 3,5 Mio Unternehmen kennen Schüler nicht mal ein Promille, so bewerben sie sich nicht bei den Unternehmen, zu denen sie am besten passen würden. Das verbessert YOUNECT durch das e-Matching. Während alle Wettbewerber sich auf Berufstätige oder die 275.000 Uni-Absolventen/Jahr fokussieren, bietet YOUNECT das erste e-Matching für die 625.000 Schüler an, die pro Jahr eine Berufsausbildung starten. Arbeitgeber werden sich immer stärker auch um diese Berufseinsteiger bemühen müssen, denn der Trend ist klar: "Kampf um Nachwuchs" (Wirtschaftswoche, 07.07.2008), "Lehrstellen bleiben Leerstellen" (Der Tagesspiegel, 13.08.2008), "Lehrlinge händeringend gesucht" (FAZ, 18.08.2008) - Bis 2020 rechnet man mit bis zu 170.000 Schulabgängern pro Jahr, immerhin 18% weniger als 2007.

  • http://www.spirofrog.de Thomas Schulze

    Auf dem Folgenden Blog gibt es noch mehr "insights" zum Thema Karriere - Spirofrog
    http://karrierebibel.de/berufswahl-die-letzten-10...

  • https://www.ajaxpartner.de Hanns Tappen

    Wünsche dem Team um Thomas Schulze weiterhin viel Erfolg. Bin gespannt, wie es weiter geht.

  • http://www.spirofrog.de Thomas Schulze

    Wir auch :-) .. wir werden den Job Markt ganz einfach von hinten aufrollen!

  • http://www.seedfinance.de/2008/10/04/investoren-im-gesprach-interview-mit-christian-ogait-xia-equity-ag/ Christian Ogait von der Xia Equity AG im Interview | Seedfinance

    [...] hier bisher drei Startups zu Wort gekommen sind (Spirofrog, UniRank, Bendecho) gibt es heute ein erstes Interview mit einem Investor. Christan Ogait von der [...]

  • http://www.joballee.de Sandra

    Und jetzt wurde gerade auch noch die http://www.cleantechjobs.de/ gestartet.

    Aus der Jobbörse wird ein Vertical Network

  • achecht

    Hier ist der echte Erfolg von S.

    http://karrierebibel.de/neues-vom-jobborsenmarkt-...

    und die GmbH ist auch schon weg:

    Spirofrog GmbH, Aschheim, Landkreis München, Max-Planck-Str. 4, 85609 Aschheim.Von Amts wegen berichtigt: Die Gesellschaft wird durch den/die Liquidator/en vertreten. Von Amts wegen berichtigt: Liquidator: Schulze, Thomas, Pforzheim, *07.07.1973. Durch rechtskräftigen Beschluss des Amtsgerichts München (Az. 1513 IN 4391/09) vom 18.03.2010 ist die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Gesellschaft mangels Masse abgelehnt. Die Gesellschaft ist aufgelöst. Von Amts wegen eingetragen gemäß § 65 GmbHG.

  • http://www.seedfinance.de/2008/09/30/dominik-hettich-von-bendecho-im-interview/ Dominik Hettich von Bendecho im Interview

    [...] den Interviews mit Thomas von Spirofrog und Malte von UniRank (in Kürze kommt auch der erste Beitrag von Malte) hat sich nun auch Dominik [...]