Wie im Artikel über die twitternden US VCs bereits angekündigt, habe ich mich u.a. etwas intensiver mit den Unterschieden zwischen dem deutschen und amerikanischen Markt für Venture Capital.

Sicherlich liest der ein oder andere regelmäßig den amerikanischen Blog TechCrunch und stolpert dabei über die deutlich höheren Finanzierungsrunden, die Startups in den USA bei ihrer ersten Finanzierungsrunde (Series-A) im Vergleich zu denen aus Deutschland erzielen. Grund genug sich die Gründe für die Diskrepanz etwas genauer anzuschauen. Die Unterschiede zwischen dem deutschen und amerikanischen VC-Markt werden dazu anhand von vier Kriterien (Marktvolumen, Marktpotential, Kostenstruktur der Unternehmen und Mentalität) untersucht. Anschliessend wird ein Fazit gezogen. Im ersten Part dieser vierteiligen Serie wird das Marktvolumen betrachtet. Die quantitativen Angaben hierzu stammen aus der BVK-Statistik 2007 und dem NVCA (National Venture Capital Association) Yearbook 2008.

Part 1: Marktvolumen

Das Fondsvolumen (Capital under Management) der VCs aus Deutschland betrug zum Jahresende 2007 rund 31,9 Mrd. Euro, das der VCs aus den USA rund 257,1 Mrd. US-$. Somit verfügen die deutschen VCs über ein Fondsvolumen, welches rund 17% von dem der amerikanischen VCs entspricht (unter Berücksichtigung eines durchschnittlichen Wechselkurses von 1,37 Euro pro Dollar, welcher auch für alle nachfolgenden US-$ / Euro Vergleichsberechnungen herangezogen wird). Der Vergleich hinkt allerdings ein wenig: Tatsächlich dürfte das Fondsvolumen noch deutlich geringer als die 17% von dem der amerikanischen VCs sein, da beim Fondsvolumen deutscher VCs auch das Volumen von Fonds für Buy-out-Transaktionen mit berücksichtigt wird. Weiterhin unterscheidet sich die Methodik zur Ermittlung des Capital under Management in den unterschiedlichen Ländern in einigen Punkten.

Im Jahr 2007 belief sich das Fundraising von Venture Capital-Gesellschaften in den USA auf 39,7 Mrd. US-$ (+12% gegenüber 2006). Deutsche VCs konnten im Vergleichszeitraum 1,85 Mrd. Euro einsammeln (+38% gegenüber 2006). Somit beläuft sich das Fundraising deutscher VCs auf rund 6,4 Prozent der von amerikanischen VCs neu eingesammelten Gelder.

Die Venture Capital-Investitionen in den USA beliefen sich im Jahr 2007 auf 29,9 Mrd. US-$. Mit diesen Investitionen haben 3.226 Unternehmen eine Finanzierung erhalten (durchschnittliche Investitionshöhe: 9,3 Mio. US-$ pro Unternehmen). Von den 29,9 Mrd. US-$ flossen wiederum 7,4 Mrd. US-$ in Erstrundenengagements bei 1.279 Unternehmen und 22,5 Mrd. US-$ in Folgeengagements bei 2.098 Unternehmen. Somit ergibt sich bei den Erstrundenfinanzierungen in den USA ein durchschnittliches Investitionsvolumen von rund 5,8 Mio. US-$. Das durchschnittliche Investitionsvolumen bei Folgeengagements beläuft sich auf rund 10,7 Mio. US-$.

Deutsche VCs investierten 2007 rund 839,7 Mio. Euro (-19.1% im Vergleich zum Jahr 2006) in 978 Unternehmen (+100 Unternehmen im Vergleich zu 2006). Das durchschnittliche Investitionsvolumen pro Unternehmen beläuft sich somit auf 0.86 Mio. Euro (2006: 1.18 Mio. Euro), was wechselkursbereinigt rund 12,7 Prozent von dem amerikanischer VCs entspricht.

Zahlen zur Anzahl der Erstrundenengagements im Venture Capital-Bereich in Deutschland (ohne Buy-out Finanzierungen) und deren Höhe konnte ich leider nicht ausfindig machen. Ich gehe aber davon aus, dass die Erstrundenengagements deutlich unter den 0.86 Mio. Euro der durchschnittlichen Investitionen pro Unternehmen liegen.

Die Early Stage Investitionen (Seed- und Startup-Phase) in den USA beliefen sich im Jahr 2007 auf rund 6,3 Mrd. US-$, in Deutschland auf rund 349,4 Mio. Euro. Unterstellt man wieder einen durchschnittlichen Wechselkurs von 1,37 Euro, dann beträgt das Early Stage-Investitionsvolumen in Deutschland rund 8% des Investitionsvolumens in den USA! Deutsche VCs investierten 2007 in 128 Unternehmen aus dem Seed-Bereich mit durchschnittlich rund 390 TEuro. Im Startup-Bereich investierten deutsche VCs in 339 Unternehmen mit durchschnittlich rund 883 TEuro.

Der Vergleich der Marktvolumina lässt sich in nachfolgender Grafik visuell veranschaulichen:

In den kommenden Artikeln zur Kostenstruktur, zum Marktpotential und zur Mentalität werden auch verstärkt qualitative Kriterien berücksichtigt. Im nächsten Artikel zur Kostenstruktur wird dabei versucht zu klären, wie lange die Series A-Finanzierungen bei deutschen und amerikanischen Startups jeweils im Durchschnitt reichen und für was amerikanische Startups mehr Geld ausgeben bzw. benötigen als deutsche.

3 COMMENTS

  • https://www.ajaxpartner.de Hanns Tappen

    Marktvolumina ist das eine. Der entscheidene Unterschied in meinen Augen liegt im Gründergen. Es gibt in den USA eine höhere Bereitschaft etwas zu gründen. In Deutschland, bzw. in Europa fehlt es pauschal gesagt, einfach an der Bereitschaft zur Gründung innovativer Unternehmen.
     
    Mehr Gründer braucht das Land!
     
    Mehr Gründungen innovativer Art = mehr Venture-Capital-Fonds mit entsprechender Ausstattung.
     
    Da folge ich beinah 100% Prozent der sehr schön geschriebenen Studie von Thomas Meyer ("Venture Capital: Brücke zwischen Idee und Innovation?" Deutsche Bank Research http://www.dbresearch.de) Kann dort heruntergeladen werden. Lesenswert und überdies auch mal in deutscher Sprache.
     
    AJAX PARTNER kann hoffentlich mit unserem Portal dazu beitragen, dass langfristig mehr Gründertum und Frühphasenbeteiligungen in Deutschland entstehen; dass die Quote von Gründer-Idee zur wachstumsfähigen Innovation steigt und so Impulse für weitere VC-Geber gesetzt werden können.

  • http://www.seedfinance.de Andi

    Da geb ich Dir absolut recht. Die DNA scheint wirklich ne andere zu sein. Aber hierzu kommen wir im vierten Teil, wenn die Mentalität betrachtet wird :-)
     
    Herzlichen Dank für den Hinweis auf die wirklich sehr gute Studie. Konnte sie auf der DBReasearch-Seite leider nicht finden. Aber dank Google hier ein Link zum direkten Download:
      http://www.innovationsanalysen.de/de/download/eco...

  • http://www.seedfinance.de/2008/10/02/amerikanischer-venture-capital-markt/ Amerikanischer und deutscher Markt für Venture Capital | Seedfinance

    [...] Bezug nehme? Der Artikel ergänzt die hier vor einiger Zeit gebrachten Artikel zu den Themen “Unterschiede zwischen dem deutschen und amerikanischen Markt für Venture Capital” (Part 2 folgt in Kürze) und “Tipps für den Umgang mit den amerikanischen [...]