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Andreas DenglerPosted on :
September 19, 2008
Mit der Pleite der 158 Jahre alten Traditionsbank Lehman Brothers und den Problemen von AIG, dem grössten US-Versicherer und dem Weltmarktzweite in der Versicherungsbrachen, erreichte die Finanzmarktkrisen in den USA einen vorläufigen neuen traurigen Höhepunkt. Grund genug sich ein paar Gedanken dazu zu machen, welche Auswirkungen die Finanzmarktkrise in den USA auf die Finanzierung von HighTech-Startups haben kann.
Vorab ein paar zusammenfassende Worte zur Entstehung und der bisherigen Entwicklung der Finanzmarktkrise, bevor anschliessend auf die Konsequenzen für Internetstartups eingegangen wird.
Die Wall Street trug in den vergangenen Jahren mit immer phantasievolleren Finanzkonstruktionen dazu bei, eine gewaltige Blase auf dem Immobilienmarkt zu erzeugen. Banken vergaben dazu Hypotheken an Kunden, die sich eigentlich kein Haus leisten konnten und verkauften das Risiko daraus über strukturierte Finanzprodukte auf den weltweiten Kapitalmärkten. Im Frühjahr 2007 kam was kommen musste und der US-Immobilienmarkt brach ein. Die Ursache hierfür war eine starke Ausweitung von Kreditangeboten vieler Banken an Kunden mit schwacher oder sehr schwacher Bonität (sog. Subprime-Markt). Insbesondere die kontinuierlichen Zinserhöhungen bei einem gleichzeitig stetigen Verfall der Immobilienpreise führten zu hohen Ausfallraten auf Gläubigerseite.
Dutzende Baufinanzierer, die sich gerade auf diese Art von Kredite spezialisiert hatten, mussten zum damaligen Zeitpunkt Gläubigerschutz beantragen, da viele Kreditnehmer, die die anfänglich niedrigen Tilgungsraten noch zahlen konnte, nicht mehr fähig waren die ansteigenden Ratenzahlungen zu erfüllen. Eine grosse Zahl der Immobilien mussten mit Wertverlust verkauft oder versteigert werden, was seit 2007 bei US-Banken und seit 2008 auch bei europäischen und asiatischen Banken (auf Grund der strukturierten Anlageformen, in welche institutionelle Anleger auf der ganzen Welt investiert haben) zu Abschreibungen und Wertberichtigungen in Milliardenhöhe sowie zu heftigen Kursverlusten an den internationalen Börsen führte. Doch nicht nur Banken mussten Verluste auf Grund der verbrieften zweitklassige Hypothekenkredite (sog. Subprime Loans) einfahren, insbesondere sind auch Fonds, Versicherungen und Hedge Fonds davon betroffen, wie aktuell z.B. der Fall AIG zeigt. Unternehmen dieser Branchen waren die Hauptabnehmer der verbrieften Hypothekendarlehen.
Die generelle Problematik an der Situation ist, dass durch die Probleme mit den Subprime Loans sowohl das Vertrauen der institutionellen als auch der privaten Anleger erschüttert wurde. Die Erschütterung des Vertrauens führt dazu, dass die grossen institutionellen Anleger nun deutlich risikoaverser agieren (sofern sie überhaupt noch handlungsfähig sind) bzw. sie sich auf Grund der eingefahrenen Verluste dazu gezwungen sehen risikoaverser zu handeln. Das bedeutet, dass das im Kapitalmarkt vorhandene Geld nicht mehr ohne weiteres zu den Kreditnehmern gelangt und diese nicht mehr in dem Umfang investieren können, wie sie das vor ein bis zwei Jahren noch tun konnten. In letzter Konsequenz führt dies zu einem wirtschaftlichen Abschwung, einer Rezession, da notwendige Investitionen in das Wirtschaftswachstum (z.B. in neue Technologie, die häufig von Hightech orientierten Startups entwickelt werden) ausbleiben.
Doch inwiefern tangiert die Finanzmarktkrise bzw. eine Rezession hightechorientierte Internetstartups nun unmittelbar? Führt die Finanzmarktkrise bzw. eine Rezession zur Versiegelung von bisher (noch) sprudelnden Geldquellen? Meine persönliche Einschätzung ist ähnlich der von Bill Hambrecht (legendären Banker aus dem Silicon Valley - u.a. Mitgründer von WR Hambrecht & Co, eine Investmentboutique, die sich auf die Versteigerung von Aktien konzentrieren und dabei u.a. beim Börsengang von Google beteiligt waren). Ich persönlich gehe davon aus, dass die Finanzmarktkrise in einem ersten Schritt kurzfristig keine unmittelbaren Konsequenzen auf kapitalsuchende Startups hat, die vor einer ersten, zweiten oder dritten VC-Runde stehen. Folgende Gründe sind meiner Meinung nach dafür ausschlaggebend:
- Klassische VC-Fonds haben im Augenblick noch ausreichend liquide Mittel zur Verfügung, die es zu investieren gilt. Das Problem ist an dieser Stelle vielmehr, dass es nicht ausreichend investitionswürdige Startups gibt, um die liquiden Mittel voll investieren zu können.
- VC-Fonds haben in der Regel keinen Abschreibungsbedarf aus Subprime Loans, da sie von Natur aus nicht in diese Anlageprodukte investieren bzw. diese nicht den Hauptfokus ihrer Investitionen darstellen und sie unter Umständen nur kleine Volumina in hiervon betroffenen Finanzinstrumenten "geparkt" haben.
- Veräusserung der Anteile über einen Gang an den Kapitalmarkt (Venture-backed IPOs, Börsengang)
- Verkauf der Anteile an einen strategischen Investor per Trade-Sale (z.B. ein etabliertes Industrieunternehmen - venture-backed M&A)
