Einen recht interessanten Artikel hab ich gerade bei der Financial Times Deutschland (FTD) gelesen. Dort berichtet Roland Manger, Managing Partner bei Earlybird, von seinen Erlebnissen auf der letzten Gesellschafterversammlung der Venture Capital-Fonds. Obwohl Venture Capital per Definition ja eine Anlageklasse mit hohem Risiko ist, kam er sich dabei wie der Fels in der Brandung vor. Grund: Der grösste Fonds von Earlybird hatte in den vergangenen zwölf Monaten eine Rendite von 8 Prozent erzielt. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum hat der DAX 21 Prozent an Wert verloren. Roland Manger stellt dabei die These auf, dass in Finanzmarktkrisen wie der aktuellen, die Venture Capital-Brache sogar ein Garant für Stabilität sein kann. Begründet wird dies von ihm damit, dass Venture Capital praktisch ein reines Eigenkapitalgeschäft ist, bei dem es keine Kredite gibt, die von einer Kreditkrise betroffen sein können. Ein weiteres Argument das von ihm angeführt wird sind die sehr konsverativen Bewertungsmethoden (i.d.R. wird ein Portfoliounternehmen bis zum Exit zu nicht mehr als dem Buchwert bewertet). Dieser Argumentation folgend treffen die Schwankungen an den öffentlichen Kapitalmärkten die VC-Fonds nicht. Auf kurzfristige Sicht ist die Argumentation von Roland Manger in meinen Augen absolut plausibel und nachvollziehbar. Allerdings nur auf kurzfristige Sicht, nur solange sich die Finanzmarktkrise ausschliesslich auf den Finanzsektor beschränkt. Breitet sich die Finanzmarktkrise aber auf die Gesamtwirtschaft eines Landes bzw. die Weltwirtschaft aus, dann werden natürlich auch die Portfolios der VC-Fonds unter Druck geraten, da ihre Portfoliounternehmen ggf. ihre Planungen/Prognosen nicht mehr einhalten können und Anschlussfinanzierungen (die in der ursprünglichen Planung nicht vorgesehen waren) schwer werden. Die Anschlussfinanzierungen dürften insbesondere dadurch schwer werden, da auf mittelfristige Sicht die Mittelzuflüsse in VC-Fonds zurück gehen werden, sofern sich die Finanzmarktkrise nachhaltig auf die Weltwirtschaft auswirkt (siehe meinen Beitrag zur Frage, ob Startups ein Finanzierungsloch droht). Dass das Fundraising für VC-Fonds durch die Kapitalmarktkrise bereits heute kein leichtes Unterfangen ist, bestätigt auch Roland Manger in seinem Artikel. Eine Tatsache stimmt mich allerdings etwas nachdenklich: Warum erreicht ein Venture Capital-Fonds nur eine Rendite von 8 Prozent, wenn dieser völlig autonom von der Finanzmarktkrise agiert? Wie zufrieden wären die Investoren mit dieser Rendite, wenn sich der Kapitalmarkt durchschnittlich bewegt hätte? Zum Beispiel beträgt die durchschnittliche DAX-Rendite für den 15-Jahres Zeitraum vom Januar 1991 bis Januar 2006 9,7 Prozent (Quelle: Manager Magazin). Gut, fairerweise muss man sagen, dass der Grund für die Rendite von acht Prozent sein könnte, dass es sich um einen jungen Fonds handeln kann, der noch keinen bedeutenden Exit im vergangenen Jahr hatte (hier fehlen mir leider ein paar Informationen). Follow-up zur Finanzmarktkrise: Nach meinem Artikel zur Frage, ob sich durch die US-Finanzmarktkrise ein Finanzierungsloch für Startups ergibt, haben noch zahlreiche weitere Blogs das Thema behandelt. Folgende Artikel kann ich dabei wärmstens empfehlen, die gleichzeitig auch eine hervorragende weiterführende Lektüre zum Artikel von Roland Manger sind: Netzwertig: Die Auswirkungen der Finanzkrise auf das Web VentureBeat: Is the sky falling for venture capitalists and start-ups GigaOM: The financial crisis: A survival guide for startups Viel Spass beim lesen!

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