Nachdem hier bisher drei Startups zu Wort gekommen sind (Spirofrog, UniRank, Bendecho) gibt es heute ein erstes Interview mit einem Investor. Christan Ogait von der Xia Equity AG hat sich den Fragen gestellt. Christian, bitte erzähle den Lesern doch einleitend kurz Deinen Werdegang. Was hast Du bisher in Deinem Leben angestellt und was machst Du aktuell? Neben meiner klassischen Ausbildung zum Kaufmann habe ich in den vergangenen Jahren mehrere Unternehmen - vorwiegend im Bereich eCommerce - begleitet. Darunter europäische Großbanken und klassische Mittelständler. Teilweise verantwortete ich dabei ein Jahresbudget von bis 80 Mio. Euro. Seit 2008 leite ich als CEO und Gründungsmitglied die Xia Equity AG. In den kommenden Jahren wollen wir unser Portfolio an erfolgreichen Projekten – wie z.B. BiggerFriends – durch innovative Ideen erweitern, indem wir genau in solche Ideen investieren. Kannst Du das Geschäftsmodell bzw. die Philosophie der Xia Equity AG kurz beschreiben? Wir sehen uns als erfahrener Projektbegleiter und ergänzender Side-Investor für internetnahe und technologiegetriebene Startups. Oftmals haben angehende Jungunternehmer hervorragende Ideen, es fehlt jedoch häufig an Kapital und unternehmerischer Erfahrung. Hier kommen meine Kollegen Ralph, Patrick, Sebastian und ich zum Einsatz. Neben unserer finanziellen Beteiligung begleiten wir die Gründer bei Investorengesprächen und bringen unser Know-how, gepaart mit aktiver Mitarbeit, in das neue Unternehmen ein. Dies verhilft dem Gründerteam sehr schnell zur notwendigen Professionalität und überzeugt auch die potenziellen weiteren Investoren bei späteren Finanzierungsrunden. Was ist Eure Grenze beim Investitionsvolumen? Unser Investitionsvolumen setzt sich stets aus einem nicht weniger als fünfstelligen Betrag zusammen, mit der Kombination von Synergien bei der Folgefinanzierung. Hier kommt unsere Stärke zu tragen. Gemeinsam mit den Gründerteams akquirieren wir so die benötigten Mittel. Wichtig ist hier unser unternehmerischer Weitblick. Die Abbildung der Machbarkeit von Projekten und die Zahlenplanung sind unsere Stärken. Mit BiggerFriends habt Ihr vor kurzem Euer erstes Projekt erfolgreich online gebracht. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann arbeitet das komplette Team von Xia auch an BiggerFriends mit. Besteht hier nicht die Gefahr, dass für die Betreuung weiterer Beteiligungen keine Zeit mehr zur Verfügung steht? BiggerFriends ist derzeit unser größtes Projekt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir uns für alle anderen Ideen bzw. Beteiligungen nicht die notwendige Zeit nehmen. Oftmals gibt es auch zahlreiche Synergieeffekte zwischen den Projekten. Was sind für Xia Equity die wichtigsten Investitionskriterien? Als erstes ein funktionierendes Team mit dem notwendigen Biss zum Unternehmertum. Hinzu kommt ein klar aufzeigbares und realistisches Businessmodell mit echten Alleinstellungsmerkmalen. Was waren die bisher kuriosesten Erlebnisse, die Du als Investor mit kapitalsuchenden Startups hattest? Es sind immer wieder die phantasievollen Planzahlen in den Business Plänen, die jeder Unternehmensgründer hat. 95 Prozent der kapitalsuchenden Unternehmer liegen hierbei total daneben. Aber das macht nichts, dafür kommt man zu uns. Amüsant sind auch oftmals die generellen Vorstellungen über Seedinvestments. Häufig begegnen uns Gründer mit der Idee sie brauchen eine viertel Millionen Euro Risikokapital für fünf Prozent. Was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten Herausforderungen als Investor und für die Xia Equity AG? Wie schwer ist es Deiner Meinung nach passende Startups zu finden, die für ein Investment interessant sind? Die größten Herausforderungen bestehen darin das Portfolio sinnvoll zu diversifizieren und in unserem Fall, aufgrund der aktiven Projektbegleitung, auch die notwendigen Synergien zwischen den einzelnen Beteiligungen zu erkennen und zu konstruieren. Startups gibt es wie Sand am Meer. Viele davon sind jedoch „Me too“-Anbieter, das heißt Trittbrettfahrer, die auf einen aktuellen Trend aufspringen. Wir suchen nach den Visionären, die Trends und Marktlücken frühzeitig erkennen und damit über den „First Mover“-Effekt oder die Patentsicherungen ein hohes Potenzial auf nachhaltige Daseinsberechtigung haben. Diese gibt es natürlich nicht so häufig. Aber hier ist es wie im Vertrieb: man muss viele in den Trichter hineinwerfen, dann kommen unten auch einige Gute heraus. Die letzten 2-3 Jahre war es für Startups relativ einfach Investorengelder zu organisieren. Bei vielen Startups steht nun in den kommenden Monaten eine Anschlussfinanzierung vor der Türe. Denkst Du, dass wir vor einer Konsolidierungswelle stehen, da Anschlussfinanzierungen ausbleiben? Das ist durchaus denkbar. Gerade viele Web 2.0 –Projekte verfehlten den prognostizierten Erfolg um Längen, da meistens ein vernünftiges Modell zur Monetarisierung fehlt oder die Annahmen massiv überzogen waren. Startup-Finanzierungen laufen meistens über mehrere Steps – gebunden an gewisse Zielvorgaben. Wenn diese massiv unterschritten werden, ziehen Investoren in der Regel die Notbremse und schreiben die Beteiligung ab. Was denkst Du, welche unmittelbaren Implikationen die Finanzmarktkrise in den USA für europäische Internet-Startups hat bzw. denkst Du, dass es überhaupts welche gibt? Das ist schwer zu sagen. Mit Sicherheit haben negative Trends an den internationalen Finanzmärkten auch unmittelbaren Einfluss auf die Vergabe von Risikokapital. Man muss hier jedoch auch stark zwischen den Beteiligungsunternehmen differenzieren. Oftmals vergeben auch Privatinvestoren, Family-Offices und mittelständische Unternehmen Seedkapital. In diesem Fall zählen nun vielmehr das Team und die Idee als eine Finanzkrise in den USA. Wie siehst Du die Zukunft des Internets? Wie wird Deiner Meinung nach das Netz in 10 Jahren aussehen? Das Internet ist noch lange nicht am Ende. Meiner Meinung nach wird dieses Medium unser Leben noch sehr nachhaltiger verändern. Das Internet wird die klassischen Unterhaltungsmedien wie Radio und Fernsehen ablösen bzw. mit ihnen verschmelzen. Heute noch unvorstellbare Geschäftsprozesse werden nur noch online abgewickelt. Die Menschen werden Ihre sozialen Kontakte überwiegend über das Internet abwickeln und innovative Geräte werden das Internet immer und überall verfügbar machen. Welchen Tipp kannst Du kapitalsuchenden Unternehmen abschliessend mit auf den Weg geben? Bei uns anrufen :-)

3 COMMENTS

  • http://www.spirofrog.de Thomas Schulze

    Bei uns anrufen ist super, cooles Interview.
    Thomas von http://www.spirofrog.de

  • http://www.seedfinance.de/2008/12/22/1000-euro-preisgeld-und-die-erklarung-wie-vcs-funktionieren/ Business Plan Wettbewerb von Christian Ogait | Seedfinance

    [...] Interview mit Christian Ogait auf seedfinance.de [...]

  • http://www.seedfinance.de/2009/02/16/investoren-im-interview-christian-ogait-uber-den-wohl-schnellsten-exit-deutschlands/ Christian Ogait über den Verkauf von Biggerfriends | Seedfinance

    [...] Ogait (Xing-Profil) wurde von seedfinance.de bereits im Oktober letzten Jahres interviewt. Damals hatte er gerade als Vorstandsvorsitzender der Xia Equity AG das Social Network für [...]