Auch wenn viele das Thema "Finanzmarktkrise" schon fast nicht mehr hören können - heute gab es einen interessanten Artikel hierzu bei iBusiness. Im Artikel wird die These aufgestellt, dass die Krise an den Kapitalmärkten vor allem die Web 2.0 Startups frisst und dies die einhellige Meinung von Experten und Branchenverbänden, wie z.B. dem Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), darstellt. Tim O'Reilly sieht das ganze Thema allerdings etwas entspannter und ist der Meinung, dass ein ökonomischer Abschwung zu einem Sterben von Startups führt, die sowieso in absehbarer Zeit untergegangen wären (siehe hierzu auch das Interview mit ihm beim Netzökonom). Er persönlich hat demnach auch kein Problem damit, wenn die ganzen "Me too"-Unternehmen von der Bühne verschwinden. Als weiterer Experte wird Prof. Dr. Paul Alpa vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Marburg zitiert. Im Gegensatz zu O'Reilly sieht er insbesondere die "First Mover" und Startups, die im Vergleich zu Konkurrenten schlechtere Produkte anbieten von einem wirtschaftlichen Abschwung betroffen. Er geht gleichzeitig davon aus, dass die Unternehmen, die noch Investorengelder einsammeln können, deutlich engere Fesseln seitens der Geldgeber angelegt bekommen und es nicht mehr möglich sein wird Liquiditätsengpässe mit Investorengeldern zu überbrücken. Wie O'Reilly sieht auch Ossi Urchs diejenigen Startups im Vorteil, die "wirklich wichtig" sind und "die den Nutzern einen wirklichen Mehrwert bieten können". Analog zur Meinung des BVDW rät auch Ossi Urchs den Unternehmen sofort auf die Kostenbremse zu treten und gleichzeitig den Fokus auf langfristig angelegte Entwicklungsprojekte mit komplementär aufgestellten Unternehmen und Wissensnetzwerken zur Entwicklung innovativer Lösungen zu legen. So dass das nächste YouTube oder Facebook vielleicht aus Deutschland kommt. Ich persönliche gehe auch davon aus, dass die Fesseln bei durch VC-Gelder finanzierten Startups deutlich enger geschnallt werden und Liquiditätsengpässe nicht mehr mit Investorengeldern überbrückt werden können. Unabhängig von der Finanzmarktkrise stimm ich Ossi Urchs zu, dass nur diejenigen Startups überleben werden, die den Nutzern einen wirklichen Mehrwert bieten können. Anders als O'Reilly seh ich allerdings, dass durchaus auch "Me too"-Startups diesen Mehrwert liefern können, indem bestimmte Services aus dem Ausland auf regionaler Ebene (z.B. Deutschland) adaptiert und für die Zielgruppe optimiert werden (bestes Beispiel: StudiVZ). Weiterhin gehe ich davon aus, dass die Bewertungen von Startups zukünftig deutlich nach unten korrigiert werden. Für Investoren bieten sich dadurch mitunter lukrative Beteiligungsmöglichkeiten (zumindest für diejenigen, die noch bereit sind zu investieren), welche sich langfristig durchaus auszahlen können. Hierzu noch ein Zitat von André Kostolany, was sich bereits mehrfach an den Börsen bewahrheitet hat und mit Sicherheit auch auf den Markt für Unternehmensbeteiligungen in gewisser Weise übertragen werden kann: "Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sich auch nicht, wenn sie steigen..."

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