Die Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Ernst & Young hat in Kooperation mit Hubert Burda Media einen Studie zu den Erlösmodellen für Medien in der digitalen Welt veröffentlicht. Völlig zu Recht wird im Vorwort erkannt, dass Web 2.0-Angebote die Gesellschaft künftig nachhaltig verändern. In der Studie selbst werden dann - dem Vorwort zufolge - die Fragen beantwortet, wie sich die neue Nutzungsformen im Internet in ertragsstarke Geschäftsmodelle wandeln lassen, ob ein nachhaltiger Erfolg mit sprudelnden Erlösquellen zu erwarten ist oder ob das Web 2.0 womöglich überhaupt keine Plattform für tragfähige Geschäftsmodelle ist. Sieben Kernaussagen der Studie Als Ergebnis der 35-seitigen Studie sind sieben Kernaussagen erarbeitet worden:

1. Die Entwicklung nachhaltiger, ökonomischer ertragreicher Erlösmodelle im Web 2.0 ist bei den Medienanbietern noch in vollem Gange. Als Erfolgstendenzen sind inzwischen Personalisierung von Inhalten und Werbung, Kooperationen und Syndication sowie E-Commerce erkennbar.

2. Die Erlöse von Social Communities sind noch immer auf einem sehr niedrigen Niveau und stellen aktuell noch keine Alternative zu bisherigen Einnahmequellen großer Medienhäuser dar.

3. Subscriber-Modelle (User zahlen für Premium-Inhalte) sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine adäquate, nachhaltige Erlösperspektive (mit Ausnahme von verzeinzelten Branchen, wie z.B. Erotik und B2B).

4. Auch wenn im Augenblick noch die klassische Bannerwerbung den Markt dominiert, zukünftig wird die Personalisierung von Werbung eine immer wichtigere Rolle spielen. Die Werbung "nach dem Gießkannenprinzip" wird zukünftig durch Behavioural Targeting und eine angemessene Dosierung der Verbraucheransprache hinfällig.

5. Die bislang praktizierte personalisierte Ansprache in Web 2.0-Angeboten wird noch längst nicht angemessen kapitalisiert. Als Ursache wird hierzu das Fehlen wichtiger qualitativer Leistungsmerkmale angeführt, die dazu dienen können, die Wertigkeit der personalisierten Werbung zu erhöhen (z.B. die Nutzungsdauer von Angeboten).

6. Die Grundregeln der Markenführung bleiben auch im Umfeld des Web 2.0 gültig, auch wenn die Markenbindung kurzlebiger wird. Die Markenführung wird jedoch nicht mehr ausschliesslich zentralisiert von den Marketingverantwortlichen umgesetzt werden können: Aktive "Prosumer" werden direkten Einfluss darauf nehmen.

7. In Ergänzung zu den bisherigen Medienangeboten sind Web 2.0 Applikationen eine notwendige zusätzliche Option, um eine Market attraktiv zu erhalten. Sie stellen keine Kannibalisierungsgefahr dar.

Kernaussagen als Antwort auf die Fragen Wenn ich mir nun die Kernaussagen und die Fragen aus dem Vorwort anschaue, dann muss man ganz klar sagen, dass das Ziel der Studie nicht erreicht wurde. Die Frage, ob sich neue Nutzungsformen in ertragsstarke Geschäftsmodelle wandeln lassen wird meiner Meinung nach in keinster Weise beantwortet. Ebenso bekomm ich in der Studie keine ausreichende Antwort darauf, ob sich ein nachhaltiger Erfolg mit sprudelnden Erlösquellen einstellen wird. Die Kernaussagen an sich beinhalten meiner Meinung nach keine neuen Erkenntnisse. Auf Seite 13 der Studie wird geschrieben: "Im Web 2.0 bieten dialogorientierte Internetangebote wie z.B. Social Communities die Möglichkeit, in einen besonders intensiven Kundenkontakt zu treten. Der Vergleich der aktuellen Wachstumsraten lässt vermuten, dass hier ein Erlösmodell für die Zukunft liegt - auch wenn die absoluten Umsätze derzeit noch von geringer Bedeutung sind". Mhh... Ich hoffe nicht, dass mich die Unternehmen zukünftig nicht auch noch in Social Networks "belästigen". Schlimm wäre es ja, wenn es in den Social Networks so wird wie mit den nervigen Telefonverkäufern (z.B. ein Lottoschein-Verkäufer kontaktiert mich über den Community-Chat, versucht mich in ein Gespräch einzuwickeln und mit einem Klick habe ich ein Abonnement für eine 24-monatige Lottoteilnahme für sagenhaft günstige 39,99 Euro pro Monat abgeschlossen). Was mich bei der Studie im Hinblick auf personalisierte Werbung stört ist die Tatsache, dass das Stichwort "Datenschutz" mit keinem Wort erwähnt wird. Und dass dieser eine gewichtige Rolle spielen kann, konnte man in der Vergangenheit ja hervorragend bei StudiVZ und Facebook sehen. Den Autoren der Studie stimme ich in dem Punkt zu, dass durch das Web 2.0 nicht alle Marketingbücher neu geschrieben werden müssen. Im Prinzip stellen Web 2.0-Angebote ja im Wesentlichen die Technologie für eine moderne Mundpropaganda zur Verfügung, welche durch die Möglichkeiten und Vielzahl an Angebote allerdings einen wesentlich höheren Stellenwert einnimmt. Fazit Die Studie ist meiner Meinung nach nur für "Nicht-Experten" auf dem Gebiet Online-Marketing und Web 2.0 empfehlenswert. Für Personen, die sich intensiv mit der Thematik beschäftigen, steht in der Studie nichts wesentlich Neues drin stehen. Schade, dass keine Antworten auf die eingangs gestellten Fragen geliefert werden und diese nicht tiefergehend untersucht wurden. Brennend interessiert hätte mich z.B. eine Antwort darauf, wie sich neue Nutzungsformen im Internet in ertragsstarke Geschäftsmodelle wandeln lassen (wobei ich da wahrscheinlich nicht der einzige Interessent für bin).

17 COMMENTS

  • http://eikyo.de Mark Ralea

    Hallo Andi,

    stimme dir in deinem Artikel vollkommen überein. Was die sinnvolle Monetarisierung angeht so gibt es hier keinen "Standardweg", sondern muss einfach als Kernelement schon bei der Entwicklung und der Gründung des Unternehmen auf der Agenda stehen.

    Je nach Anwendung und Community sind hier unterschiedliche und sinnvolle Monetarisierungsmodelle möglich um zukünftig für den User einen Mehrwert zu liefern ohne diesen zu nerven.

    In den letzten Wochen habe ich mich mit unterschiedlichen Web 2.0 Anwendungen ausseinandergesetzt und sinnvolle Monetarisierungsmöglichkeiten vorgestellt. Wenn du da näheres Interesse hast freue ich mich über einen Gedankenaustausch.

    Grüße
    Mark

  • http://eikyo.de/2008/10/31/erloesmodelle-im-web-20/ Erlösmodelle im Web 2.0 | Eikyo

    [...] diesem Fall kann ich nur auf einen sehr guten Artikel von Seedfinance verweisen, welcher die Studie von Ernst & Young in Kooperation mit Hubert Burda Media zu [...]

  • http://www.seedfinance.de Andi

    Hi Mark,

    herzlichen Dank für Deine Worte! Auch ich stimme Dir voll und ganz zu.

    Selbstverständlich habe ich immer Interesse an einem Gedankenaustausch zu Monetarisierungsmöglichkeiten von Web 2.0-Anwendungen. Hab mir gerade auch mal Deinen Blog angeschaut und zahlreiche sehr gute Ansätze darin gefunden.

    Vielleicht hättest Du ja mal Lust einen Gastbeitrag hier zu schreiben? Evtl. als Zusammenfassung Deiner Beiträge zum Thema "Monetarisierungsmöglichkeiten von Web 2.0-Anwendungen"? Bin mir sicher, dass sehr viele Leser daran Interesse haben!

    Beste Grüsse
    Andi

  • http://eikyo.de Mark Ralea

    Hallo Andi,

    sehr gerne schreibe ich einen Gastartikel dazu. Ich hoffe es ist in Ordnung wenn wir das nächste Woche einfach per Mail klären (hast ja meine Mailaddy). Schreib mir kurz damit ich dir dann den Artikel zuschicken kann.

    Grüße
    Mark

  • http://www.paretoone.de Daniel

    Als Ergänzung zu der genannten Studie empfehle ich meine Diplomarbeit, die -grob zusammengefasst - Geschäftsmodelle im Web 2.0 zum Gegenstand hat.

    Die Arbeit kann unter http://www.box.net/shared/2fsqbkmvvq kostenlos heruntergeladen werden.

    Gruß,
    Daniel

  • http://www.seedfinance.de Andi

    Hi Daniel,

    tausend Dank für den Link. Werde mir Deine Diplomarbeit über das Wochenende anschauen - hört sich wirklich vielversprechend und spannend an.

    Dir ein schönes Wochenende
    Andi

  • http://www.paretoone.de Daniel

    Gerne :) Bei Fragen einfach anmailen (Adresse steht in der Arbeit)

  • http://blog.datenschmutz.net/2008-11/blogistan-panoptikum-kw44-2008/ Blogistan Panoptikum KW44 2008 auf datenschmutz.net

    [...] Seedfinance hat die Ergebnisse einer aktuellen Ernst & Young Studie veröffentlicht, die das Web 2.0 auf den aktuellen Status Quo in punkto Monetarisierungsmöglichkeiten abklopfte. Man muss das Original keineswegs lesen, denn da steht nix drin, was wir nicht schon wusste: Abos funktionieren noch nicht, Social Communities bieten einnahmentechnisch noch keine Alternative zu etablierten Verlagshäusern und Online-Werbung wird in Zukunft weniger gießkannenartig, dafür umso personalisierter erfolgen. Welche Überraschung. [...]

  • http://www.uni-rank.de Malte

    Ganz klar, Web 2.0 Projekte deren Monetarisierung einfach nachträglich "drauf geflanscht" wurde haben keine gute Chance sich jemals selbst zu tragen.

    In den letzten Jahren wurde vermehrt Service um Service gestartet, frei nach dem Motto: "Wenn es groß wird werde ich schon Geld damit verdienen".
    Das gerade diese Annahme ein Trugschluss ist zeigen die Zahlen von sVz und Facebook nur zu deutlich.

    Aus eigener Erfahrung kann ich zudem beisteuern, dass VCs und BAs in letzter Zeit verstärkt ein Augenmerk auf die Monetarisierung legen. Man will einfach sehen, dass sich ein StartUp gezielt Gedanken über Umsätze und Umsatzwachstum macht und nicht von einem Raketenstart ausgeht.

    Soviel mal dazu.
    @Andi: wie immer top Beitrag. Seedfinance hat mich schon längst als täglichen Leser gewonnen und in den kommenden Tagen gibts hoffentlich Neuigkeiten von uns :-)

    vg malte

  • http://www.seedfinance.de Andi

    Malte, seh ich absolut auch so. Geschäftsmodelle ohne klare Monetarisierungsstrategie hatten bis vor kurzem noch eine Chance auf Finanzierung. Doch mittlerweile schaut der Markt etwas anders aus.

    Das klassische Beispiel was an der Stelle immer angeführt wird ist Google. Auch Google hatte zum Start ihrer Suchmaschine mit Sicherheit kein langfristig tragfähiges Geschäftsmodell. Doch sie haben es geschafft, eines zu entwickeln. Ich gehe allerdings davon aus, dass dies weniger als 1% der Leute schaffen, die ohne klare Monetarisierungsstrategie starten. Ein Beispiel bei dem die Strategie noch heute fehlt, trotz Millionen von Usern, ist Twitter.

    @Malte: Danke für die Blumen, sowas hört man natürlich immer gerne :-) Freue mich darauf wieder von Dir zu hören!

  • http://www.blogpiloten.de/2008/11/04/facebook-vor-dem-aus/ » Facebook vor dem Aus?, Blogpiloten.de – willkommen im wir.netz

    [...] Der teure Erfolg vermittelt einen realistischen Blick auf den Status Quo des Web 2.0: eine aktuelle Studie, die Ernest & Young für Burda Media durchführen, bestätigt, was alle Involvierten längst [...]

  • http://www.shorty-digital.com/blog/2008/11/04/im-westen-nichts-neues/ shorty-digital.com … andreas kurtz … das ist e-commerce

    [...] Seedfinance.de bin ich auf einen Artikel gestossen, der den ganzen 2.0-Monetarisierungs-Kram nochmal schoen [...]

  • http://www.mehrblog.net/featured/1695/facebook-vor-dem-aus/ Facebook vor dem Aus? | mehrblog.net

    [...] teure Erfolg vermittelt einen realistischen Blick auf den Status Quo des Web 2.0: eine aktuelle Studie, die Ernest & Young für Burda Media durchführen, bestätigt, was alle Involvierten längst [...]

  • http://boersmazwischendurch.blogspot.com/2008/11/interessante-studie-erlsmodelle-fr.html Zwischendurch@Thorsten Boersma

    Interessante Studie: Erlösmodelle für Medien in der digitalen Welt...

    Bei Seedfinance habe ich gerade einen Beitrag über eine evtl. interessante Studie gefunden. Die Studie "Medien und Marken im Web 2.0 - Erlösmodelle für Medien in der digitalen Welt" ist von Ernst & Young in Kooperation mit Hubert Burda Media entst...

  • http://blog.datenschmutz.net/2008-11/blogpiloten-kolumne-facebook-vor-dem-aus/ Blogpiloten-Kolumne: Facebook vor dem Aus? auf datenschmutz.net

    [...] teure Erfolg vermittelt einen realistischen Blick auf den Status Quo des Web 2.0: eine aktuelle Studie, die Ernest & Young für Burda Media durchführen, bestätigt, was alle [...]

  • Chris Wallner

    der Artikel ist total lückenhaft, veraltet und vermittelt eine negative Ansicht von Erlös Konstellationen in Web 2.0! So doof es klingt aber barbie.de verdient sich dumm und dämlich allein mit Additionen. Du bekommst ein Strichmaxi und wenn du einen Hut drauf willst musst du (in dem Fall deine Eltern) dein Konto an füllen, dann kannst du einkaufen und bekommst was Tolles. Das lässt sich auf alle Erwachsenen Applikationen -umsätzen. Profi Spiele, Marketingwelt, Geschäftsportale, die Kohle hätte ich gern die nur mal so mit virtuellen Features gemacht wird.
    Was ist mit prozentualer Beteiligungen an Self Made Applikationen der User?
    Thx Daniel for the download!

  • http://com-loody.com/monster/my-tag/studie-zu-den-erlosmodellen-im-web-2-0/ MY-TAG » Studie zu den Erlösmodellen im Web 2.0

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