Seedfinance

31. Oktober 2008 - 12:49 Uhr

Geldvernichtungsmaschine Facebook? Jetzt mit Zahlen…

Posted by: Andreas Dengler

Bei TechCrunch gab es heute ein extrem interessantes Posting von Michael Arrington zur Liquiditätssituation und den Kapitalbedarf bei Facebook. Nachdem Facebook in den Jahren 2007/2008 zwei Finanzspritzen von insgesamt 475 Mio. US-$ bekommen hat, war eigentlich davon auszugehen, dass die Liquidität der Gesellschaft erstmals als ausreichend bezeichnet werden kann. Board member Jim Breyer sagte 2007 noch, dass Facebook mit den Investorengeldern soviel Leute wie nötig einstellen kann und sich keine Gedanken über die Profitabilität oder einen Börsengang vor dem Jahr 2009 zu machen braucht.

Anschlussfinanzierung früher notwendig?

TechCrunch berichtet darüber, dass sich Facebook im Augenblick die Kapitalmärkte anschaut und gezwungen ist die nächste Finanzierungsrunde viel früher als ursprünglich geplant durchzuführen. Die Konditionen für diese Runde können deutlich unter der 15 Mrd. US-$ Bewertung der letzten Runde liegen.

Gründe für den Kapitalbedarf

Facebook wächst sehr stark und ist anscheinend selbst von diesem Wachstum etwas überrollt worden. Vor einem Jahr zählte Comscore noch 74 Mio. Unique Users im Monat und 35 Mrd. Pageviews. Innerhalb des letzten Jahres sind die Unique Users um 118% auf 161 Mio. und die Pageviews um 74% auf 61 Mrd. gewachsen. Insbesondere die Übersetzungen der Plattformen werden auf TechCrunch für das Wachstum angeführt. Mit dem Wachstum sind natürlich auch entsprechende Kosten verbunden.

Kostenfaktoren

Sehr interessant finde ich die Ausgaben, die mit den Nutzerzahlen von Facebook verbunden sind. Nachfolgend ein paar Kostenblöcke, die wirklich beachtlich sind:

- Monatliche Stromkosten: Über eine Million US-$ Dollar pro Monat

- Bandbreite: 500.000 US-$ pro Monat

- Anschaffungskosten für neue Server: 2 Millionen US-$ pro Woche

- Mieten für Büroräume und Datencenter: 15 Mio. US-$ pro Jahr

- Personalkosten für 750 Angestellte: 10 Mio. US-$ pro Monat

Wirklich beachtliche Zahlen. Insbesondere die 2 Mio. US-$ pro Woche für neue Server und die Stromkosten von 1 Mio. US-$ pro Monat find ich gewaltig und hätte ich so nicht erwartet. TechCrunch führt noch an, dass insbesondere das Wachstum und der damit verbundene Speicherbedarf das Problem ist (Speicherbedarf wächst auch, wenn die Unique Users nicht wachsen) und man gut und gerne nochmals 100 Mio. US-$ oder mehr pro Jahr an Kapitalbedarf hinzurechnen kann.

Einnahmen

eMarketer prognostizierter für Facebook 2008 Werbeeinnahmen in Höhe von 265 Mio. US-$. Werbung ist im Augenblick die einzige Einnahmequelle von Facebook. Hier wird schnell klar, dass Facebook sehr viel Geld verbrennt. Es ist absolut unklar, ob Facebook es schafft die Einnahmen schneller nach oben zu treiben als die damit verbundenen Kosten.

Ein weiteres Problem auf der Einnahmenseite ist die Tatsache, dass mittlerweile nur noch ein Viertel der Facebook-User aus den USA kommen und Facebook die User in anderen Ländern deutlich schlechter monetarisieren kann, da in diesen die Werbeausgaben im Internet in der Regel deutlich unter denen in den USA liegen. TechCrunch hat hierzu ein Modell entwickelt, welches versucht die großen Social Networks auf Basis der Werbeausgaben in einzelnen Ländern in Relation zu den Userzahlen der Networks in den entsprechenden Ländern zu bewerten.

Nicht zu verachten ist demnach auch die Tatsache, dass es in USA einen wahren Kampf um die User zwischen MySpace und Facebook läuft. Laut TechCrunch benötigt Facebook rund 18 Jahre um MySpace im Hinblick auf die US-Nutzerzahlen zu überholen.

Gesamtwirtschaftliche Lage

Nach den letzten Finanzierungsrunden war davon auszugehen, dass Facebook noch immer ein gutes Kapitalpolster hat. Dem Anschein nach ein Trugschluss! Bei der oben erläuterten Burn-Rate ist dem definitiv nicht so und ein großer Teil der Finanzspritzen von 475 Mio. US-$ dürfte bereits verbraucht sein. Hinsichtlich weiterer Finanzierungsrunden kommt erschwerend hinzu, dass die gesamtwirtschaftliche Lage nicht allzu rosig ist und der Ausblick beschönigend lediglich mit “bewölkt” umschrieben werden kann. TechCrunch führt an, dass die liquiden Mittel von Facebook deutlich schneller verbraucht sein werden, wenn die Einnahmen nicht wesentlich schneller wachsen. Die Einnahmen für 2008 werden wohl rund 100 Mio. US-$ unter den vor einem Jahr prognostizierten Werten liegen werden.

Angeblich soll der Facebook CFO Gideon Yu diese Woche in Dubai sein und vermutlich mit Dubai International Capital Gespräche bzgl. eines Einstiegs führen. Bei der aktuellen Bewertung von Facebook wird es laut TechCrunch extrem schwer neues Kapital zu bekommen und US-Investoren (VCs und Hedge Funds) sind an einem Einstig nicht interessiert oder es ist ihnen im Augenblick nicht möglich zu investieren. Weiterhin prognostiziert TechCrunch, dass es zu einem starken Einbruch der Bewertung kommt, wenn in den nächsten 12-18 Monaten kein frisches Kapital aufgenommen werden kann. Das IPO-Fenster hierfür dürfte in diesem Zeitraum verschlossen bleiben.

11 Comments

Kommentare als RSS-FeedTrackback-URL

1 | Ole

31. Oktober 2008 um 16:15 Uhr

Auch nicht schlecht:

10 Mio. US-$ Personalkosten pro Monat für 750 Angestellte.

Das wären ja mal gepflegte 13.300 Dollar pro Kopf…

Erscheint mir im Schnitt etwas zu hoch, oder?

2 | Andi

31. Oktober 2008 um 17:27 Uhr

Hi Ole,

ja, scheint mir tendenziell auch etwas hoch zu sein, allerdings nicht ganz unrealistisch. Jetzt wollte ich gerade kurz die Übung machen und den durchschnittlichen monatlichen Personalaufwand pro Google-Mitarbeiter ermitteln. Dann hätte man einen Vergleichswert.

Leider scheint dies nicht ganz so einfach aus ihrem Jahresabschluss herauslesbar zu sein. Schau mal die kommenden Tage, dass ich hier evtl. ein paar vernünftige Informationen verarbeiten kann. Für alle die es interessiert und die spontan evtl. etwas mehr Zeit haben: Den Jahresabschluss 2007 gibts unter http://investor.google.com/pdf/2007_google_annual_report.pdf. Aus den Erläuterungen zu den Cost and Expenses (ab Seite 36) müsste man die Informationen hinsichtlich der Höhe des Personalaufwands bekommen.

Beste Grüsse
Andi

3 | Christian

31. Oktober 2008 um 23:31 Uhr

Beeindruckende Zahlen!
Sieht so aus, als ob da bald irgendwer zu nem richtigen Schnäppchen-Preis zuschlagen kann :)

4 | klaus-martin meyer

2. November 2008 um 21:23 Uhr

der schnitt scheint mir in der tat etwas hoch. war gerade in dublin bei google. da laufen ja durchweg sehr junge leute rum. kaum vorstellbar, dass die im durchschnitt so viel verdienen.

5 | Malte

3. November 2008 um 17:51 Uhr

Personalkosten in dieser Höhe sind wirklich erschreckend. Vor allem bei 750 MA.

Allerdings: Was verdient denn die Geschäftsführung? Könnte das evtl. ein Teil der Erklärung sein?

grüße Malte

6 | Andi

4. November 2008 um 16:21 Uhr

Hab meine Hausaufgabe nicht vergessen - hatte ja versprochen, dass ich mich mal schlau mache, welche durchschnittlichen Personalkosten andere vergleichbare Unternehmen ausweisen. Hierzu hab ich mir die Jahresabschlüsse 2007 von Google, Yahoo und eBay angeschaut.

Das Problem dabei ist, dass die o.g. Unternehmen ihre Rechnungslegung nach den US-GAAP machen und bei US-GAAP in der GuV das Umsatzkostenverfahren zur Anwendung kommen muss. Leider kann man bei diesem Verfahren die Personalaufwendungen nicht direkt aus der GuV ablesen (wie beim Gesamtkostenverfahren, was insbesondere in Deutschland weit verbreitet ist).

Mir war es nicht möglich aus den Zusatzangaben die Personalkosten der einzelnen Bereich zu ermitteln. Anscheinend müssen die Gesamtpersonalkosten nach US-GAAP nicht publiziert werden. Folglich ist es auch nicht möglich durchschnittliche Personalkosten pro Mitarbeiter zu ermitteln.

Sehr schade… Bei Xing ist mir dies recht einfach gelungen, da diese nach den IFRS bilanzieren und das Gesamtkostenverfahren zur GuV-Aufstellung verwenden. Xing kommt 2007 auf durchschnittliche Personalkosten in der GuV in Höhe von 44.807 Euro pro Mitarbeiter. Leider denke ich nicht, dass diese Zahl zum Wert von Facebook vergleichbar ist (anderes Land, andere Rechnungslegung, andere Bewertung, etc.).

7 | Markus Alder

10. November 2008 um 22:07 Uhr

Stromkosten von 1 000 000 $ sind erstaunlich, auch wenn viele Millionen Menschen diese Plattform benützen.
Kein Wunder, dass der Stromverbrauch weltweit weiter kräftig steigt……..

8 | Simon

27. Juli 2009 um 13:59 Uhr

was ist denn “Profitabilität” ?

9 | Andi

27. Juli 2009 um 14:03 Uhr

Hi Simon,

im Prinzip nichts anderes als das Ergebnis unterm Strich.

Hier eine Definition:

http://www.foerderland.de/807+M587eb75cc71.0.html

Grüße
Andi

10 | Simon

27. Juli 2009 um 14:07 Uhr

Danke Andi. Also im Prinzip nichts anderes als “Rentabilität”…
aber darum solls hier ja jetzt auch nicht gehen :-)

11 | Andi

27. Juli 2009 um 14:14 Uhr

Gerne ;-) Nicht ganz, die Rentabilität wird immer in Bezug zum investierten Kapital betrachtet, da die Kennzahl ansonsten nicht aussagekräftig ist.

Z.B. Unternehmen A und B erwirtschaften jeweils einen Gewinn von 100.000 Euro. Bei Unternehmen mussten allerdings 5 Mio. Euro investiert werden, bei Unternehmen B nur 500.000 Euro. Dementsprechend ist Unternehmen B natürlich rentabler, obwohl das Ergebnis gleich ist.

6 Trackbacks

1 | hype.yeebase.com

31. Oktober 2008 um 19:06 Uhr

Vernichtet Facebook zuviel Geld? Die Burn-rate ist sehr hoch!…

Facebook hat dieses und letztes Jahr bereits 475 Mio. US-$ an Investorengelder eingesammelt. Beachtlich und normalerweise denkt man, dass dieses Geld ne ganze Weile reichen wird. Bei Stromkosten von 1 Mio. US-$ pro Monat, Anschaffungskosten für neue S…

2 | News-Recycling am Wochenende | TechBanger.de

9. November 2008 um 11:21 Uhr

[...] TechCrunch berichtet, ist Facebook stark am Expandieren. Doch das gewaltige Wachstum führt zu immensen Kosten: Allein für Strom gibt das Social Network mehr als eine Mio. US-Dollar im Monat aus. Nun wird [...]

3 | Mitarbeiteraktien-Programm wird bei Facebook eingestellt | Seedfinance

8. Dezember 2008 um 12:30 Uhr

[...] wirklich überzeugende Monetarisierungs-Strategie konnte bisher nicht vorgelegt werden. Zusätzlich drücken die hohen Kosten mögliche Gewinne. Die Einstellung des Programms zum Aktienverkauf wird zusätzlich auf die [...]

4 | Fundraising Accel: Über eine Milliarde US-$ für Internet-Startups | Seedfinance

11. Dezember 2008 um 20:45 Uhr

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5 | Geschäftsmodell für Social Networks und Communities gefunden | Seedfinance

5. Januar 2009 um 13:07 Uhr

[...] den Bereich Werbung zu konzentrieren. Dass dies nicht ausreichend ist, wurde nun schon des öfteren thematisiert. Meiner Meinung nach wird und muss hier in den nächsten Jahren ein Umdenken [...]

6 | neue Facebook AGB unmoralisch und bedenklich - Security News

7. Juni 2009 um 14:02 Uhr

[...] Zitat:Mit anderen Worten, Nachrichten, Fotos, Statusmeldungen etc. geh

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