Portale auf denen User nach Belieben urheberrechtlich geschütztes Material hochladen können, sind den Rechteinhabern seit jeher ein Dorn im Auge. Im Oktober 2007 hat YouTube reagiert und mit "Video-ID" ein System eingeführt, mit welchem Rechteinhaber von Usern hochgeladenen Werke identifizieren können, die vollständig oder teilweise von ihnen geschützte Inhalte aufweisen. Im Vorfeld können Rechteinhaber dabei bereits entscheiden, wie mit Videos verfahren werden soll, die ihr urheberrechtlich geschütztes Material verwenden. Zur Auswahl stehen hier die Möglichkeiten, dass die entsprechenden Werke durch YouTube über Werbeeinblendungen monetarisiert werden (inkl. Erlösbeteiligung), ohne Werbung auf YouTube in unveränderter Form weiter bestehen oder YouTube die Videos automatisch blockiert. Funktionsweise bei YouTube Das Programm von YouTube funktioniert dabei recht simple: Der Rechteinhaber lädt Referenzdateien in Form von Videos oder Audiofiles hoch. YouTube vergleicht anschliessend die Videos, die auf YouTube hochgeladen werden bzw. wurden, vollautomatisch mit den Inhalten der Referenzdateien. Anschliessend wendet die Software die vom Rechteinhaber festgelegte Richtlinie automatisch an: vermarkten, unverändert bestehen lassen oder blockieren. Das YouTube-Programm ist mittlerweile sehr erfolgreich etabliert und die Rechteinhaber scheinen damit zufrieden zu sein. 90 Prozent der Rechteinhaber wählen dabei die Option, dass ihre Inhalte weiterhin über YouTube erreichbar sind und sie im Gegenzug einen Revenue-Share der Werbeerlöse bekommen. Klagen gegen YouTube Das "Video-ID"-Programm von YouTube kam insbesondere als Reaktion auf zahlreiche Klagen wegen Copyright-Verletzungen. Google, der Mutterkonzern von YouTube, ist dabei u.a. noch immer in eine Klage über einer Milliarde US-$ verwickelt, welche Viacom, einer der weltgrössten Medienkonzerne, letztes Jahr einreichte, nachdem YouTube die Videos des Konzerns nicht von der Plattform entfernt hat. Auditude mobilisiert YouTube-Ansatz plattformübegreifend In den USA ist mit Auditude ein sehr interessantes Startup auf dem Markt, welches das YouTube-Prinzip auf alle Videoplattformen ausweitet und diesen eine vergleichbare Technologie zur Verfügung stellt. Auditude identifiziert dabei, ebenso wie die YouTube-Technologie, innerhalb weniger Sekunden Copyright geschütztes Material und verwertet dieses über Werbeeinblendungen. Die Werbeerlöse werden anschliessend zwischen den Rechteinhabern, dem Portal das die Technologie einsetzt bzw. über den User-generated Content verfügt und Auditude geteilt. Umdenken bei den Rechteinhabern Durch die Möglichkeiten von YouTube und Auditude ist bei den Recheinhabern von Musikvideos, Fernsehshows, etc. ein Umdenkprozess in Anschub gekommen. Viele Jahre waren die Urheber ständig darauf erpocht jede Plattform zu verklagen, welche urheberrechtlich geschütztes Material auf seinem Portal hatte. Mittlerweile lautete die Devise eher, je mehr Content, desto besser. Eigentlich logisch: Die User übernehmen im Web 2.0 die virale Verbreitung des Materials und die Rechteinhaber profitieren, indem sie Werbeerträge generieren, ohne dass sie sich um die originäre Verbreitung des Contents kümmern müssen. Kooperation zwischen Auditude und MySpace Video Ein klares Indiz für die Zukunftsfähigkeit des YouTube-Prinzips ist u.a. darin zu sehen, dass MySpace in Hinblick auf ihre Videos die Technologie von Auditude nutzen wird. Auf MySpace werden pro Tag ungefähr 80.000 User-Videos hochgeladen. Heute wurde bekannt gegeben, dass MySpace mit der Auditude-Technologie eine Partnerschaft mit dem zum Viacom gehörenden MTV Networks geschlossen hat. MTV wird dabei die Möglichkeit haben copyright geschützten Content zu identifizieren und Anzeigen in ihren Clips zu platzieren, die von MySpace-User auf MySpace hochgeladen wurden. Das System von Auditude entdeckt dabei den Content des MTV Networks vollautomatisch innerhalb weniger Sekunden. Analystenmeinungen Forbes berichtet, dass MySpace, welche nach Expertenmeinung im Jahr 2007 rund 800 bis 900 Mio. US-$ Werbeerlöse generierten, im Augenblick keinerlei Aussagen zu den erwarteten Werbeerlösen aus der Kooperation nennt. Ebenso ist MySpace nicht bereit Aussagen zum Revenue-Share zu machen, so dass absolut unklar ist, wieviel von einem Dollar Werbeerlöse bei MySpace, Auditude und den Rechteinhabern (in diesem Fall MTV Networks) ankommt. James McQuivey, Analyst bei Forrester Research, betont, dass die Kooperation eine Notwendigkeit ist, er allerdings nicht davon ausgeht, dass die Werbeerlöse dadurch um 25% oder gar 50% nach oben gehen. Er ist der Meinung, dass MySpace deutlich mehr Rechteinhaber benötigt, damit sich die Werbeerträge aus MySpace Video in den Gesamtwerbeerlösen bemerkbar machen. Bemerkenswert ist, dass MySpace über die Kooperation mit MTV Networks und Auditude bereits die dritte neue Werbeerlösquelle angezapft hat. Zuvor wurde im Oktober die Plattform MySpace MyAdds gelauncht, über welche User eigenständig Anzeigen auf MySpace buchen können. Weiterhin wurde im Oktober mit MySpace Music die Möglichkeit geschaffen Audio-Ads in Music Streams auszuliefern. Fazit Sicherlich wird sich für MySpace die Kooperation mit MTV Networks nicht sofort in den Werbeerlösen 2008 bemerkbar machen (schliesslich haben wir ja auch bereits Anfang November und die technische Implementierung wird noch ein paar Tage in Anspruch nehmen). Dennoch bin ich mir sicher, dass der Weg von MySpace über die Kooperation mit Auditude der Richtige ist. Nachdem 90% der Inhaber von urheberrechtlich geschützten Videos sich bei YouTube für die Monetarisierung über Werbung entscheiden, gehe ich davon aus, dass kurzfristig seitens MySpace Video zahlreiche weitere Kooperationen mit namhaften Rechteinhabern bekannt gegeben werden. Ich bin gespannt, ob sich ein ähnliches Modell mit der Technologie von Auditude (bzw. einer ähnlich arbeitenden) in der Musikbranche im Bereich Ad-based Streaming durchsetzt. Dabei bin ich insbesondere darauf gespannt, wann die grossen Major-Companies einem derartigen Modell für ihren kompletten Audio-Content zustimmen und gegenüber den Betreibern von Streaming-Plattformen komplett auf die mindestens 0,5 bis 1 Cent Vergütung pro Stream verzichten. Hinsichtlich ihres Musikvideo-Contents haben zahlreiche große Musikkonzerne ihre Zustimmung ja bereits an YouTube erteilt. Ich hoffe, dass auch in dieser Branche kurzfristig ein Umdenken im Bereich des reinen ad-based Audio-Streamings stattfindet (dessen Entwicklung dann ja auch unglaublich lange gedauert hätte und schon längst dringend notwendig wäre).

3 COMMENTS

  • http://hype.yeebase.com/story/6666 hype.yeebase.com

    YouTube-Modell macht Schule - Rechteinhaber akzeptieren Advertising-Erlöse bei Video-Plattformen...

    Langezeit waren Video-Portale mit user-generated Content für viele Rechteinhaber ein Dorn im Auge. Mittlerweile hat sich deren Perspektive allerdings grundlegend geändert, seitdem die Portalbetreiber sie an den Werbeerlösen partizipieren lassen. You...

  • http://upload-magazin.de/?p=1250 Ξ Das YouTube-Dilemma: Einnahmen, verzweifelt gesucht Ξ UPLOAD – Magazin für digitales Publizieren Ξ

    [...] aus Werbung auf YouTube. Und davon wollen die Rechte-Inhaber gern etwas abhaben - ein Modell, das offenbar Schule macht. Finanziell gesehen ist das Portal jedenfalls ein gnadenlos gefräßiges Schwarzes [...]

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