Post by :
Till OhrmannPosted on :
November 12, 2008
Wie bereits berichtet, hatte ich vergangene Woche auf dem Pangora E-Commerce Kongress die Möglichkeit, Jacques Antoine Granjon (siehe Foto), den Gründer des Shopping-Clubs Vente Privée, kennenzulernen. In einer sehr beeindruckenden Präsentation stellte dieser die Erfolgsgeschichte von Vente Privée vor und lieferte in diesem Zusammenhang auch neue Zahlen. Die Zahlen als auch die Story von Vente Privée find ich äußerst spannend (welches "Startup" kann schon seine ursprüngliche Umsatzprognose für 2008 von 500 Mio. Euro um 100 Mio. auf 600 Mio. Euro anheben?). Aus diesem Grund möchte ich Euch die Story natürlich nicht vorenthalten und hoffe, dass ich die Begeisterung von Jacques für Vente Privée in den kommenden Zeilen zumindest etwas rüberbringen kann.
Die Vorgeschichte zur Gründung
Interessant ist, dass die Wurzeln von Vente Privée bis ins Jahr 1985 zurück gehen. Damals, im Zeitalter des Festnetztelefons, war Jacques mit seinem Partner als Händler für Restposten tätig. Im Prinzip machten sie damals bereits dasselbe wie heute, nur halt ohne das Internet. Sie kauften bei Herstellern von Markenartikeln Restposten in großen Mengen, die sie anschließend an Restpostenläden und Outlet-Stores wieder verkauften. Bis Ende der 90er Jahre lief das Geschäft sehr gut. Doch dann machten viele kleinen Händler ihre Läden dicht und die großen Restpostenhändler haben angefangen direkt bei den Produzenten zu kaufen. Gleichzeitig haben die Markenhersteller damit angefangen immer mehr Wert auf ihr Image zu legen, was zur Konsequenz hatte, dass sie nicht mehr jeden belieferten und stets darüber informiert sein wollten, wo ihre Produkte letztlich zum Verkauf angeboten werden. Zusätzlich haben die Hersteller auch noch damit begonnen ihre Restposten in eigenen Outlet-Stores zu verkaufen. Der ursprüngliche Job von Jacques war somit im Prinzip überflüssig.
Geburtsstunde Vente Privée
Aber wie heißt es so schön, aus der Not entstehen die besten Ideen. Das bisherige Geschäftsmodell wurde im Jahr 2000 radikal geändert: Anstatt per Telefon und Fax das B2B-Geschäft zu betreiben, entschloss man sich über einen B2C-Ansatz selbst direkt an Endverbraucher zu verkaufen. Dies allerdings nicht über einen konventionellen Outlet-Store auf der grünen Wiese, sondern ausschließlich über das Internet. Vente Privée, eines der größte und wachstumsstärksten E-Commerce Unternehmen in Europa, war geboren.
Marktvolumen in Europa
Gemäß Jacques beträgt das Marktvolumen für Restposten und Überschussware in Europa rund 30 Milliarden Euro und jeder Markenhersteller hat pro Jahr rund 5 bis 10 Prozent überschüssige Waren.
Das Geschäftsmodell
Es handelt sich bei vente-privee.com weder um Online-Schlussverkäufe, noch um Versteigerungsaktionen. Der Online-Shopping-Club ist somit kein gewöhnlicher Online-Shop, sondern organisiert Verkäufe im Internet, die es den Marken erlauben ihre Lagerbestände und Überproduktionen in einem qualitativ hochwertigen Umfeld abzusetzen. Die Mitglieder des Shopping-Clubs profitieren dabei von den außergewöhnlich günstigen Preisen und dem vielfältigen Angebot.
Eine Seltenheit: Jacques Verkaufsphilosophie dreht sich vielmehr um die Lieferanten als um die eigenen Kunden. So äußerte er sich z.B. im Interview mit
"Unser erster Ansprechpartner ist die Marke. Wir machen keinen E-Commerce im klassischen Sinn, wo man Produkte einkauft und an Kunden verkauft. Wir wollen für die Hersteller Saisonware und Restbestände schnell, einfach und komplett veräußern."Für die Markenartikelhersteller bietet Vente Privée vier wesentliche Vorteile, die einen Verkauf über die Plattform lukrativ machen:
- Diskretion: Die Verkaufsaktionen laufen nur 48-72 Stunden. Anschließend gibt es keine Historie der Aktionen oder ähnliches zum Abruf. Weiterhin steht das Angebot nur Kunden zur Verfügung, die eine Einladung von einem bereits bestehenden Kunden bekommen haben (exklusiver Personenkreis).
- Geschwindigkeit: Innerhalb weniger Stunden können tausende von Artikeln abgesetzt werden.
- Werthaltigkeit: Markenartikelhersteller müssen sich auf Grund der Exklusivität keine Sorgen um eine Schädigung der Reputation ihrer Marke machen und erhalten höhere Margen als beim konventionellen Restpostenverkauf.
- Kundenbasis: Über 3,8 Millionen Kunden können über Vente Privée erreicht werden. Die Hersteller erhalten detaillierte Reports über die Kunden und deren Kaufpräferenzen bzw. -verhalten, was sie beim klassischen Restpostenhandel nicht bekommen.
- In den Jahren 2003 bis 2008 wurde der Umsatz von rund 3 Millionen auf 600 Millionen Euro (Prognose für 2008) gesteigert. Die diesjährige Umsatzprognose wurde von ursprünglichen 500 Millionen Euro auf 600 Millionen Euro angehoben.
- Pro Jahr werden rund 1.250 Shopping-Events organisiert (2004 lag dieser Wert noch bei 211 Aktionen).
- Mehr als 1,7 Millionen Internetnutzer besuchen die Website von Vente Privée pro Tag.
- Zum Kampagnenstart um sieben Uhr morgens verzeichnet die Website regelmäßig rund 200.000 Nutzer pro Sekunde. Pro Sekunde werden rund 16.000 Datenbankabfragen auf der Website generiert. Damit ist vente-privee.com die #1 E-Commerce-Website in Frankreich.
- Die durchschnittliche Besuchszeit der User liegt bei 35 Minuten, was Vente Privée in diesem Punkt zur #1 aller Websites in Frankreich macht.
- Jedes Jahr versendet Vente Privée rund 2 Milliarden E-Mails (es gibt sogar extra Teams die sich ausschließlich darum kümmern, dass Vente Privée als Versender auf keine Blacklists kommt).
- Pro Minute werden im Durchschnitt rund 100 Zahlungstransaktionen abgewickelt, was rund 1,6 Transaktionen pro Sekunde entspricht.
- Pro Jahr verkauft der Shopping-Club etwa 18,5 Millionen Produkte.
- Jeden Tag werden von Vente Privée rund 50.000 Pakete verschickt.
- 900 Mitarbeiter hat Vente Privée (Durchschnittsalter: 31 Jahre). Im Jahr 2008 wurden 250 Mitarbeiter neu eingestellt (zum Vergleich: Die Adler Modemärkte erzielen mit knapp 4.000 Mitarbeitern rund 650 Millionen Euro Umsatz).
- Pro Tag werden über 6.000 Fotos für die Verkaufsaktionen produziert.
- 60 Prozent aller Artikel sind bereits nach 48 Stunden ausverkauft.
