Die Geschichten um mögliche Verkäufe und Übernahmen von StudiVZ scheinen nicht abzureißen. Eine Beteiligung an StudiVZ ist anscheinend für viele (noch) ein begehrliches Ziel. War bis vor kurzem noch Facebook als potentieller Käufer im Gespräch, so berichtet der Netzökonom heute, dass StudiVZ mit United Internet Verhandlungen über eine Minderheitsbeteiligung führte. Doch wie auch bei Facebook, eine Beteiligung von United Internet an StudiVZ kam nicht zustande. Leider wurden keine Gründe für das Scheitern der Verhandlungen bekannt. Ich vermute, dass unterschiedliche Bewertungsvorstellungen die Ursache für das Scheitern der Gespräche waren. Probleme von United Internet Das Internetschwergewicht United Internet steht vor größeren Problemen, die sich kurz in folgenden Punkten zusammenfassen lassen:
  • Das Wachstum der Portale Web.de und GMX stagniert seit einiger Zeit. Beide Portale haben den Sprung ins Web 2.0-Zeitalter nicht geschafft. Der Portalchef und Web.de-Mitgründer Matthias Greve musste das Unternehmen aus diesem Grund bereits verlassen.
  • Die Versuche über ein eigenes Social Network im Web 2.0 Fuß zu fassen und dadurch Reichweite für die Vermarktungssparte zu generieren, können als gescheitert betrachtet werden. Die Community UndDu konnte sich am Markt nicht etablieren.
  • Der Vertrieb von DSL-Anschlüssen unterliegt einem harten Konkurrenzkampf, der über den Preis geführt werden muss. Dementsprechend sind die Margen im Keller. Zusätzlich hat United Internet im Q3/2008 170.000 Kunden verloren, die dem Unternehmen nach Ablauf ihres 2-Jahres-Vertrages den Rücken gekehrt haben. Im gleichen Quartal wurden nur 190.000 neue Kunden gewonnen. Für das vierte Quartal 2008 wurde die Prognose von ursprünglichen 100.000 Neukunden auf 60.000 reduziert (-40 Prozent).
  • Die konjunkturell bedingte Abschwächung am Werbemarkt bekommt United Internet in diesem Jahr stark zu spüren. In den ersten neun Monaten 2008 reduzierte sich das Ergebnis vor Steuern des Online-Marketing-Segments um 42,3 Prozent auf 8,6 Mio. Euro (Q1-Q3 2007: 14,9 Mio. Euro).
  • Die strategischen Beteiligungen an Freenet, Versatel und Drillisch führte im letzten Quartal zu hohen Abschreibungen. Auf Grund der konjunkturellen Lage können die Beteiligungen im Augenblick nicht verkauft werden.
Wachstumstreiber bei United Internet ist im Augenblick das Webhosting-Geschäft im Ausland. So konnten zum Beispiel im ersten Halbjahr 2008 die Zahl der kostenpflichtigen Kundenverträge um 270.000 auf 1,82 Millionen gesteigert werden. Ausweg StudiVZ? Die Klickmaschine StudiVZ hätte dem Online-Marketing-Segement von United Internet mit Sicherheit kurzfristig frischen Wind eingehaucht. Doch durch die teure (überteuerte?) Beteiligung an Freenet hat Vorstandschef Ralph Dommermuth vermutlich gelernt, dass es sich nicht lohnt eine Beteiligung um jeden Preis einzugehen. Auf Grund der unklaren Zukunft und der nicht vorhandenen bzw. zumindest nicht ersichtlichen Monetarisierungsstrategien von StudiVZ ist es für United Internet vermutlich besser, dass eine Beteiligung an der Studentenplattform nicht geklappt hat. Kurzfristige wäre eine Beteiligung für das Segment "Online-Marketing" zwar mit Sicherheit interessant gewesen, doch bleibt es unklar, wie es um die Zukunft des innovationsschwachen Studentenportals bestellt ist. Durch einen eventuellen Reichweitenverlust des Portals könnte für United Internet schnell ein hoher Abschreibungsbedarf entstehen, wenn prognostizierte Werbeeinblendungen nicht erreicht werden können. Die Portale Wer-kennt-wen und der deutschsprachige Ableger von Facebook scheinen gegenüber der Studentencommunity immer mehr Zulauf zu bekommen. Betrachtet man sich die letzten IVW-Zahlen, dann scheint sich insbesondere das Volksnetz Wer-kennt-wen rasant zu einem wahren Konkurrenten von StudiVZ zu entwickeln. Fazit Ich bin gespannt, wie United Internet ihr Segment "Online-Marketing" wieder auf Vordermann bringt und wie es das Unternehmen schafft das hierzu notwendige Reichweitenwachstum zu generieren. Äußerst fraglich ist für mich in diesem Zusammenhang, ob der angestrebte Aufbau eines zentralen Kommunikationspunkte für Nutzer verschiedener Social Networks der richtige Ansatz ist (siehe hierzu z.B. folgende Artikel: Internet World, Meedia.de, Netzökonom, Aufgehts). Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich Web.de mit "Combots" bereits schonmal eine blutige Nase im Bereich der plattformübergreifenden Kommunikation geholt hat, bin ich von der Strategie nicht überzeugt. Fraglich ist dabei natürlich auch wie die Betreiber der Web 2.0-Services reagieren, wenn Web.de auf "Userklau" geht. Ein Verkauf von StudiVZ durch Holtzbrinck scheint erstmals unwahrscheinlich zu sein, da in einer schwächeren konjunkturellen Phase vermutlich kein Käufer gefunden werden kann, der bereit ist den angestrebten Preis zu bezahlen. Es bleibt zu hoffen, dass in besseren Zeit die Popularität von StudiVZ nach wie vor so hoch ist wie heute. Ansonsten könnte man schnell zu dem Fazit gelangen, dass Holtzbrinck den besten Zeitpunkt für einen Verkauf des Portals verpasst hat.

3 COMMENTS

  • http://www.basicthinking.de/blog/2008/11/17/united-internet-war-scharf-auf-studivz/ Basic Thinking Blog | United Internet war scharf auf StudiVZ

    [...] Auf Seedfinance fiindet ihr eine spannende Analyse, warum das für UI Sinn gemacht hätte: Gescheiterte Verhandlungen zwischen United Internet und StudiVZ. Zudem erfährt man auf Netzökonom, dass UI nun Dienste anbieten will, um indirekt die [...]

  • http://www.blogpiloten.de/2008/11/18/studivz-wenn-ein-kuchen-zu-lange-steht-wird-er-irgendwann-trocken/ » StudiVZ: Wenn ein Kuchen zu lange steht wird er irgendwann trocken, Blogpiloten.de – willkommen im wir.netz

    [...] glücklich werden wird. Die Readers-Edition titelt: “StudiVZ - Ein Community-Flop“. SeedFinance geht auf die Probleme bei United Internet ein. Verwandte Beiträge auf Blogpiloten.de zu den [...]

  • http://twitter.com/pommesbude/statuses/1019425500 pommesbude (pommesbu

    UI wollte StudiVZ kaufen? http://is.gd/8Fyp