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Till OhrmannPosted on :
November 18, 2008
Unternehmen mit hohen Außenständen können aufatmen. Seit gestern ist die meiner Meinung nach spannendste B2B-Plattform seit langer Zeit online: The Receivables Exchange. Das Startup mit Sitz in New Orleans, New York, London und Norcoss (Atlanta) erlaubt es Unternehmen ihr Umlaufvermögen in Form von Forderungen gegenüber B2B-Kunden zu verkaufen und sich somit ihre Liquidität zu sichern. Ein hochstandardisierter Marktplatz für Echtzeit-Factoring-Geschäfte.
Insbesondere in Zeiten restriktiver Kreditvergabe durch Banken kommt eine derartige Plattform genau zur richtigen Zeit. Dabei muss allerdings betont werden, dass das Startup nicht in einer Kurzschlussreaktion auf die Turbulenzen an den Kapitalmärkten gegründet wurde. Das 35-köpfige Team hinter The Receivables Exchange hat bereits 18 Monate harte Entwicklungsarbeit hinter sich. Dementsprechend professionell kommt die Plattform auch rüber.
Funktionsweise
Die Funktionsweise von The Receivables Exchange ist extrem simpel. Auf der Plattform gibt es Verkäufer von Forderungen und Käufer. Zum Verkauf stehende Forderungen werden mit Preisvorstellung auf der Plattform eingestellt und registrierte Käufer können diese mit wenigen Mausklicks erwerben, sofern sie von den Konditionen angetan sind.
Beispiel: Versandhändler XY hat 10.000 Euro Forderungen gegenüber 1.000 Kunden, die in 30 Tagen fällig sind. Er bietet diese Forderungen gebündelt für 9.800 Euro zum Kauf an, die er sofort erhält, sofern sich zu diesem Preis ein Käufer findet. The Receivables Exchange nimmt sowohl vom Verkäufer als auch vom Käufer eine Provision von 0,5 Prozent.
Als Besonderheit gibt es zwei verschiedene Klassen von Käufern. Zum einen "Trading members", die 500 US-$ Registrierungsgebühr bezahlen und sich verpflichten pro Monat Forderungen mit einem Volumen von mindestens 10.000 US-$ kaufen. Zum anderen "Seatholders", welche 10.000 US-$ Registrierungsgebühr bezahlen und über ein Anlagevermögen von mindestens 100 Mio. US-$ verfügen. Nach eigenen Angaben auf der Website verfügt The Receivables Exchange aktuell über registrierte Käufer, die insgesamt über ein Investitionsvolumen von rund 10 Milliarden US-$ verfügen.
Zur Funktionsweise noch ein schönes Video, in welchem Nicolas R. Perkin, Co-Founder und President, das Geschäftsmodell im Interview mit Fox Business News näher erläutert:
Ein weiteres sehenswertes Video zur Funktionsweise der Plattform findet sich auf der Website von The Receivables Exchange.
Marktgröße
Gem. der Pressemitteilung zum Start der Plattform werden pro Jahr in den Bilanzen amerikanischer Unternehmen B2B-Forderungen mit einem Volumen von rund 18 Billionen US-$ ausgewiesen. Daraus wird schnell ersichtlich, wie groß der Markt von The Receivable Exchange ist. Wenn The Receivable Exchange es schafft, ein Prozent der in den Bilanzen stehenden Forderungen auf die Plattform zu bekommen, dann rechnet sich das Geschäft sehr schnell und die bisherigen Investitionen von rund 5 Millionen US-$ durch Prism VentureWorks und Fidelity Ventures zahlen sich schnell aus.
Fazit
The Receivables Exchange ist meiner Meinung nach eines der sinnvollsten und spannendsten Startups seit ganz langer Zeit. Sofern es die Macher schaffen (ohne große Betrugsfälle) das bisher überwiegend auf persönlicher Ebene abgewickelte Geschäft der Forderungsverkäufe zu standardisieren, dann steht The Receivables Exchange eine rosige Zukunft bevor.
