Aus aktuellem Anlass möchte ich mich mit der Nachfolge von erwachsen gewordenen Startups beschäftigen. Mark Pohlmann sieht mit dem Wechsel an der Spitze verkürzt gesprochen auch "seine Seele" verschwinden und beschreibt wie schwer die Zeit nach dem Wechsel sein kann. Ich kann dieser Einschätzung nur zustimmen und denke, dass mit dem Weggehen der Identifikationsfigur, des Ideengebers die Stimmung im Unternehmen schnell kippen kann. Es müssen neue Werte geschaffen werde; es muss sich in den meisten Fällen das Verständnis durchsetzen, dass jetzt nicht mehr nur Wachstum erster Ziel sein wird. Ein Unternehmen muss demokratisiert werden. Der letzte Punkt mag irritieren, aber mit Demokratisierung spreche ich in positiver Ausdrucksweise die Bildung von Hierarchien und (Entscheidungs-)Strukturen an. Und wer kann das? Aus meiner Sicht ein anderer Mensch als der Gründer, der oftmals mehr Vaterfigur, Freund o. ä. ist. Die Antwort ist überraschend simpel. Manager sind die geeigneten Personen für solch einen Job. Manager bringen das nötige Know-How für solche Projekte mit sich. Die wissenschaftliche Forschung hat oft genug bewiesen, dass es wesentliche Unterschiede zwischen Managern und Gründern gibt. Und auch die eigene Heuristik gibt mir und euch da sicher recht. Ein Manager allein reicht nicht Aus meiner Sicht ist ein Manager nicht genug. Unternehmen brauchen bei Übergang vom Startup in ein am Markt etabliertes Unternehmen Manager mit unternehmerischer Erfahrung. Dahinter steckt mehr als eine Floskel. Die Manager müssen selbst unternehmerisch tätig gewesen sein, um die aktuellen Mitarbeiter authentisch abholen und neue Ziele definieren zu können. Sie müssen die schwierige Gradwanderung zwischen Startup-Feeling und einem gewinnorientierten Unternehmen meistern. Falscher Weg Wie es nicht geht zeigen u. a. die Beispiele StudiVZ und Snapfisch. Bei StudiVZ wurde Ehssan Dariani gegangen und durch Marcus Riecke, einem erfahrenen Manager, ersetzt. Doch die Erfahrung hat nicht ausgereicht, so dass Marcus Riecke im Oktober wieder ging. Ich würde eher sagen, er hatte nicht die richtige Erfahrung. Snapfish ist u. a. von Karsten Schneider groß gemacht und dann an HP verkauft worden. In relativ kurzer Zeit musste die klare Marktführerschaft bei Foto-Speicherplatz - dem Entry zu Umsatz - an Photobucket abgegeben werden. Fazit Unternehmen kommen in eine Phase, wo Management-Fähigkeiten mehr gefragt sind als unternehmerisches Know-How und kreatives Ideenreichtum. Gerade diese Phase müssen Menschen übernehmen, die sowohl Managementerfahrung, als auch Bildung im Bereich Entrepreneurship haben. Ich denke der Markt für solche Leute ist sehr klein... In diesem Sinne: Viel Erfolg Stefan Groß-Selbeck - es wird schwierig!

3 COMMENTS

  • http://www.seedfinance.de/2008/11/30/ist-yahoo-das-nachste-lycos-europe/ Übernahme Yahoo durch Microsoft nun doch? | Seedfinance

    [...] Als Zwischenfazit lässt sich festhalten, dass die Ablehnung der 47,5 Mrd. US-$ Offerte wohl der größte Fehler war, den Jerry Yang jemals gemacht hat. Er selbst behauptete mal in einem Interview, dass er lila blutet. Durch diese Behauptung ist er ein klassisches Beispiel, dass bei vielen Startups die Zeiten kommen müssen, in denen ein professionelles Management die Führungsriege übernimmt (siehe hierzu auch den Artikel “Wenn Gründer gehen braucht man…“). [...]

  • http://www.seedfinance.de/2008/12/17/vz-gruppe-studivz-schuelervz-schrumpft-zusammen/ Holtzbrinck lässt VZ-Gruppe schrumpfen | Seedfinance

    [...] studiVZ mit ein Grund für das Ausscheiden ist, ist reine Spekulation. Dennoch beschreibt der Fall aus meiner Sicht wieder einmal die Heuristik, dass Gründer und Manager grundverschieden sind und es für ein junges Unternehmen sehr schwierig ist, die Phase zwischen Gründungsstimmung und [...]

  • Daniel Verst

    Eine weitere Strategie mit dem Problem umzugehen: Zusätzlich zum Gründerteam wird ein erfahrener Manger engagiert (> http://tinyurl.com/93twh6) Im Fall von studiVZ hat es nicht funktioniert...