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Till OhrmannPosted on :
November 26, 2008
Lycos, das Portal mit dem Labrador als Markenzeichen, ist heute vielerorts ein heiß diskutiertes Thema in der nationalen und internationalen Blogwelt (z.B. bei Meedia, Media-Blog, The Inquirer, The next web, Exciting Commerce, Medienrauschen).
Was ist passiert?
Heute früh veröffentlichte Lycos per AdHoc-Meldung das Ergebnis seiner strategischen Prüfung. Während der letzten Monate haben das Management und die Aufsichtsräte das Unternehmen durchleuchtet um zu entscheiden, was der richtige Weg für die höchst verlustträchtige Gesellschaft ist (erschreckend, diesen hat die Gesellschaft seit ihrer Gründung im Jahr 1997 noch nicht gefunden!).
Das Ergebnis
Nach knapp 12 Jahren vor sich hinwursteln hat die Geschäftsführung um Christoph Mohn, dem Sohn des Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn, festgestellt, dass es für die Aktionäre wohl am besten wäre, wenn
- die Geschäftsbereiche Domain, Shopping und die dänischen Portalaktivitäten verkauft werden und
- der Betrieb der Portal- und Webhostingaktivitäten eingestellt wird.
LYCOS Europe ist einer der führenden Anbieter von Internetportalen und Online-Werbung in Europa und den USA mit einem Netzwerk von Websites in sieben Sprachen.Dieser Satz wirkt schon reichlich ironisch, wenn man bedenkt, dass Lycos den Laden dicht macht und einer der führenden Anbieter von Internetportalen und Online-Werbung sein will - immerhin einem Markt mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro. Genau das war allerdings immer das Problem von Lycos: Man versuchte immer alles zu sein, ohne dass man bestimmte Ziele fokussiert und zielorientiert umgesetzt hat. Ein Gemischtwarenladen ohne strategische Fokussierung hat noch nie funktioniert. Die Entwicklung Vor dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 war Lycos hierzulande eines der reichweitenstärksten Portale. Seither geht es allerdings rapide bergab, wie der Aktienkurs sehr schön zeigt:

- Wie kann es sein, dass das Management es all die Jahre nicht schaffte die User des Portals zu monetarisieren?
- Droht StudiVZ und anderen Social Networks das gleiche Szenario? Sprich, werden die Portale auf Grund nicht ausreichender Monetarisierungsoptionen in ein paar Jahren einfach abgeschaltet?
- Kommt Lycos Europe nicht zu spät mit der Meldung den Geschäftsbetrieb einzustellen? Hätte man dies als Verpflichtung gegenüber den Aktionären nicht schon viel früher tun müssen?
- Wird Christoph Mohn nach seinen Leistungen als Vorstandsvorsitzender bei Lycos Europe zurecht als Kronprinz für den Bertelsmann Konzern gehandelt?
- Wann wäre das Portal abgeschalten worden, wenn jemand anderer als Christoph Mohn, dessen Vater Bertelsmann aufgebaut hat, an der Spitze gestanden hätte?
- Besteht eine realistische Option, dass das Portalgeschäft durch einen eigenständigen Anbieter profitabel betrieben werden kann? Droht z.B. Yahoo in absehbarer Zeit ein ähnliches Schicksal?
