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Till OhrmannPosted on :
November 30, 2008
Das erste Adventwochenende steht ganz im Zeichen des Aufkeimens totgeglaubter Übernahmegerüchte. Zuerst berichtet die Sunday Times über neue Gespräche zwischen Microsoft und Yahoo! und parallel hierzu kommt anscheinend auch wieder Wind in die Gerüchte um Facebook und StudiVZ.
10 Mio. Euro Verlust bei StudiVZ bestätigt
Das Turi2-Blog streut Pfeffer in die Gerüchteküche, indem es sich heute auf einen Artikel bezieht, der gestern auf der Website der Wirtschaftswoche veröffentlich wurde. Im Artikel der WiWo wird Jochen Gutbrod zitiert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei Holtzbrinck und für die Internet-Geschäfte verantwortlich. Jochen Gutbrod bestätigt gegenüber der Wirtschaftswoche erstmalig, dass StudiVZ dieses Jahr bei einem Umsatz von 10 Mio. Euro einen Verlust in gleicher Höhe einfahren wird (wie hier bereits vor einigen Tagen berichtet).
30 Mio. Euro Umsatz und schwarze Zahlen in 2009
Doch wie lernt man in der Pressearbeit so schön: Jede schlechte Nachricht muss mit einem guten Ausblick verpackt werden. Dementsprechend kündigt Jochen Gutbrod gleichzeitig an, dass nach dem Abgang von Marcus Riecke im kommenden Jahr ein Umsatz von 30 Mio. Euro geplant ist und erstmals schwarze Zahlen geschrieben werden sollen. Leider erfolgen keine weiteren Angaben dazu, wie die Verdreifachung des Umsatzes erreicht werden soll. Alleine mit Werbeerlöse wird dies wohl nicht zu schaffen sein, zumal bei StudiVZ die Page Impressions zurück gehen und gleichzeitig mit keiner Verdreifachung der Werbeausgaben für das kommende Jahr gerechnet werden kann. Ich persönlich erachte es als nicht realistisch, dass StudiVZ im kommenden Jahr 30 Mio. Euro Umsatz generieren wird.
Zusammengehen mit Facebook sinnvoll
Die Ertrags- und Umsatzzahlen von StudiVZ sind natürlich für sich allein genommen schon sehr spannend. Doch noch viel spannender ist in dem Artikel der WiWo folgender kleine Abschnitt:
Ein Zusammengehen von StudiVZ mit dem amerikanischen Portal Facebook, das einen eigenen Ableger in Deutschland betreibt, könnte nach Verlagsangaben sinnvoll sein.Erstmals äußert sich hier ein Vertreter von Holtzbrinck öffentlich dazu, dass ein Übernahme von StudiVZ durch Facebook durchaus sinnvoll sein könnte. Übernahmegespräche zwischen den Social Networks wurden im Sommer abgebrochen, nachdem man sich anscheinend nicht über Verkaufspreis einigen konnte. Zuletzt verhandelte Holtzbrinck - ohne Erfolg - mit United Internet über einen Verkauf von StudiVZ. Verkauf ein Fortschritt für die deutsche Webszene? Jochen von Exciting Commerce geht in einem Artikel auf das starrsinnige Verhalten von Holtzbrinck ein und urteilt, dass ein Verkauf für dringend notwendig erscheint, nachdem Holtzbrinck es die vergangenen Jahre komplett verschlafen hat, StudiVZ technologisch weiterzuentwickeln - was mit Sicherheit auch ein Grund dafür ist, dass Holtzbrinck sich bisher mit keinem potentiellen Käufer über den Preis einigen konnte. Auch an anderen Stellen werden die Rufe laut, dass ein Verkauf überfällig ist und ein Social Network von einem nicht technologieorientierten Verlag nicht vernünftig geführt werden kann. So beschreibt z.B. Casi vom Blog ZweiPunktNull das Dilemma von Holtzbrinck sehr schön:
Das Problem für das beliebte Netzwerk ist nun mal ein Verlag, der sich nicht über Millionen User freut, sondern über ausbleibende Millionen-Umsätze ärgert. Auch, wenn man zaghafte Versuche erkennen kann, Geld in die Kassen zu spülen, so hat es doch nichts zu tun mit wirklich befriedigten Bilanzgelüsten. Wenn man nun - und das tut man bei Holtzbrinck - sachlich analysiert, was man für das studiVZ gezahlt hat, welche Erlöse möglich sein könnten bei einem Verkauf und wie lange es vielleicht noch dauern könnte, bis man ein tragfähiges Geschäftsmodell für ein Social Network entwickelt hat, dann muss man zu dem Schluß kommen, dass der Verkauf an Facebook die logische Konsequenz darstellt.Der Verkauf hätte dabei bereits schon vor einiger Zeit stattfinden müssen. Ich persönlich gehe davon aus, dass zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr der Verkaufspreis erzielt werden kann, der noch vor einem Jahr für StudiVZ erzielt worden wäre. Ich bin gespannt, wann Holtzbrinck dies einsieht und eine niedrigere Offerte akzeptiert. Wie läuft die Übernahme ab? Ein mögliches Szenario für den Ablauf der Übernahme beschreibt Uwe von alles2null sehr schön und unterhaltsam.
