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Till OhrmannPosted on :
November 30, 2008
Ich hab es mir schon länger gedacht. Trotz der klaren Aussagen von Steve Ballmer, dass eine Übernahme von Yahoo! durch Microsoft nicht mehr zur Debatte steht, konnte ich mir nicht vorstellen, dass dieses Spiel - insbesondere nach dem Rücktritt von Yahoo!-Mitgründer Jerry Yang - ohne Verlängerung auskommt. Nun scheinen sich die Gerüchte wieder zu verhärten.
20 Mrd. US-$ für die Yahoo! Suche
Nach einem Bericht der heutigen Sunday Times soll es wieder Gespräche zwischen Microsoft und Yahoo geben. Allerdings soll es bei den Gesprächen nicht mehr um eine Komplettübernahme von Yahoo! gehen, sondern lediglich um die Übernahme des Suchmaschinengeschäft. Für dieses Filetstück von Yahoo! soll Microsoft bereit sein 20 Mrd. US-$ auf den Tisch zu legen. Immerhin: Die Suchmaschine von Yahoo! wickelt laut einer Statistik von Net Applications noch 10,5 Prozent aller weltweiten Suchanfragen ab. Damit betreibt Yahoo die einzige Suchmaschine, welche neben Google noch einen zweistelligen Marktanteil aufweist.
Marktkapitalisierung Yahoo!
Im Sommer diesen Jahres war Microsoft noch bereit 47,5 Mrd. US-$ für die komplette Übernahme von Yahoo auszugeben. Aktuell liegt die Marktkapitalisierung von Yahoo bei 16 Mrd. US-$. Manch einer fragt sich dadurch, warum Microsoft bereit sein soll 20 Mrd. US-$ allein für das Suchmaschinengeschäft auszugeben, wenn das Komplettpaket schon für 16 Mrd. US-$ im Angebot ist.
Bei den Verhandlungen zwischen den Parteien wird im Augenblick anscheinend ein etwas komplexeres Modell diskutiert: Microsoft erhält gegen ein Investment von fünf Mrd. US-$ für zehn Jahre die volle Kontrolle über das Suchgeschäft von Yahoo! und kontrolliert dabei über eine Holding rund 30 Prozent der Yahoo!-Aktien (30 Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung entspricht 4,8 Mrd. US-$). Gleichzeitig erhält Microsoft mit dem Abschluss des Geschäfts eine zweijährige Kaufoption für das Suchgeschäft, für das dann insgesamt 20 Mrd. US-$ zu zahlen sind, sofern die Option eingelöst wird. Das heisst, der Preis 20 Mrd. US-$ bezieht sich auf den zukünftigen Wert der Websuche und hat mit der aktuellen Marktkapitalisierung von Yahoo! nur implizit etwas zu tun.
Keine Bestätigung der Gespräche
Die Gespräche wurden bisher weder von Microsoft noch von Yahoo bestätigt. Ich bin mir allerdings sicher, dass sie tatsächlich geführt werden. Warum sollte sich ein ausgefuchster Geschäftsmann wie Steve Ballmer die Chance entgehen lassen, sich das Filetstücke von Yahoo zu sichern? Zumal Yahoo! selbst nach der gescheiterten Zusammenarbeit mit Google unter extremem Druck gegenüber ihren Aktionären steht.
Zwischenfazit
Als Zwischenfazit lässt sich festhalten, dass die Ablehnung der 47,5 Mrd. US-$ Offerte wohl der größte Fehler war, den Jerry Yang jemals gemacht hat. Er selbst behauptete mal in einem Interview, dass er lila blutet. Durch diese Behauptung ist er ein klassisches Beispiel, dass bei vielen Startups die Zeiten kommen müssen, in denen ein professionelles Management die Führungsriege übernimmt (siehe hierzu auch den Artikel "Wenn Gründer gehen braucht man...").
Parallelen zum Fall "Lycos Europe"
Als ich den Bericht über die geplante Übernahme des Filetstücks von Yahoo! gelesen haben, sind mir unweigerlich Parallelen zum Fall "Lycos Europe" durch den Kopf gegangen: Das Tafelsilber, welches sich noch veräußern lässt, wird verkauft, die restlichen Services werden eingestellt. Es stellt sich dabei unweigerlich die Frage, wieviel Yahoo! ohne die Suche überhaupt noch wert ist? Was passiert mit den Diensten wie Yahoo!-Mail (noch immer einer der größten Mailprovider weltweit) oder dem Fotodienst Flickr? Diese Dienste sind zwar allesamt extrem erfolgreich in Bezug auf die Reichweite, ein Schlüssel zur Monetarisierung scheint allerdings noch nicht gefunden. Werden sie einfach so von der Bildfläche verschwinden? Was macht Yahoo! mit dem Geld von Microsoft und ohne ihre Suche?
Fazit
Lassen wir uns überraschen, ob nach der Verlängerung auch noch ein Elfmeterschießen notwendig wird, bis Steve Ballmer endlich erfolgreich ist.
