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Till OhrmannPosted on :
Dezember 01, 2008
Keine guten Nachrichten von der Startup-Front. Die Wirtschaftswoche hat 151 junge Internet-Startups zu ihrer Einschätzung der aktuellen Situation befragt - mit erschreckenden Ergebnissen. Mehr als die Hälfte der befragten Startups sieht demnach ihre Existenz durch die Situation an den Finanzmärkten bedroht! Dennoch herrscht auch Optimismus: Obwohl die Stimmung schlecht ist, planen 67 Prozent der befragten Startups im kommenden Jahr neue Stellen schaffen - nur etwa 15 Prozent wollen dagegen auch Stellen abbauen. Etwas überrascht bin ich von der Aussage, dass im laufenden Jahr nur knapp 16 Prozent der befragten Startups ihre Umsatzprognose gesenkt haben.
Probleme bei Folgefinanzierungen
Lukasz Gadowski, einer der bekanntesten deutschen Business Angels, gibt an, dass er zukünftig restriktiver investieren wird, da er Reserven für Folgefinanzierungen haben möchte. Auch er sieht demnach, dass Folgefinanzierungen für zahlreiche Startups erstmals schwieriger werden. Jeder vierte Gründer will durch die veränderten Bedingungen an den Kapitalmärkten die Suche nach Risikokapital vorziehen. Eine Übersicht mit weiteren Kommentaren von namhaften Startup-Investoren findet sich hier.
Kommt der "nucleare Winter"?
Marc Andreessen, Gründer von Ning, einem Service zur Erstellung von Social Networks, und einst Mitgründer von Netscape, sieht einen "nuklearen Winter", der uns unmittelbar bevorsteht - schneller als gedacht und härter als erwartet. Nachdem Andreessen für Ning im April noch 60 Mio. Euro einsammeln konnte, obwohl Ning seit vier Jahren rote Zahlen schreibt, kann er diesem allerdings relativ gelassen entgegen sehen.
Reaktionen der Startups
Die Umfrage der Wirtschaftswoche brachte auch zum Vorschein, dass 70 Prozent der Startups mit Programmen zur Kostensenkung auf die veränderten Umweltbedingungen reagieren, um kurzfristig ihre Liquidität zu sichern. Gemäß der Umfrage spüren einige Gründer die Nervosität auch auf Seiten der Risikokapitalgeber, die nach der Meinung einzelner Startups lieber in bestehende Portofoliounternehmen investieren, als in neue. Einige Startups gaben an, dass sie auch einen wachsenden Druck durch die Investoren spüren. Problematisch ist bei einigen Unternehmen, dass die ersten Kunden abspringen und Aufträge/Bestellungen ins nächste Jahr verschieben, was den Druck einen schnelleren Break-even zu erzielen mit Sicherheit nochmals deutlich nach oben treibt.
Fazit
Ich sehe die Situation ähnlich wie Tim O'Reilly, der überzeugt davon ist, dass eine Bereinigung auf dem Markt für Web 2.0-Startups längst überfällig ist. Nicht erfolgsversprechenden Internet-Startups sollten lieben jetzt ihr Geschäftsmodell aufgeben bzw. in eine andere Richtung lenken, als mehrere Jahre einem Ziel hinterherlaufen, das letztlich niemals erreicht wird. Traurig ist es, wenn man - wie Lycos Europe - mehr als 12 Jahre am Markt agiert und dann feststellen muss, dass sich das Geschäftsmodell nicht profitabel betreiben lässt.
