Seedfinance

5. Januar 2009 - 13:05 Uhr

Geschäftsmodell für Soziale Netze ist endlich gefunden

Posted by: Daniel Verst

Das Geschäftsmodell der Zukunft ist weder Werbung in ihren unterschiedlichsten Facetten und auch nicht ein - wie auch immer geartetes - Freemium-Modell. Kurzum: Nicht im B2C-Bereich, sondern im reinen B2B-Bereich (abseits der Werbung) liegt das zukünftige Geschäftsmodell von Sozialen Netzwerken wie MySpace, Facebook, studiVZ und Co. Ähnlich Kommunikationsunternehmen, wie z.B. die Deutsche Telekom oder Telefonica, werden Soziale Netzwerke zu Infrastruktur-Anbietern. Das sind sie natürlich auch heute schon, allerdings scheinen sich die Aktivitäten zur Umsatzgenerierung aktuell eher auf den Bereich Werbung zu konzentrieren. Dass dies nicht ausreichend ist, wurde nun schon des öfteren thematisiert. Meiner Meinung nach wird und muss hier in den nächsten Jahren ein Umdenken stattfinden.

Soziale Netzwerke als Infrastrukturanbieter

Der Gedanke ist nicht vollkommen neu, aber noch nicht explizit dargestellt worden. In den sehr empfehlenswerten Artikeln “Facebook-Applikationen und Facebook Connect ergänzen sich gegenseitig” und “Netzwerte: Wie funktioniert Wertschöpfung in Social Networks?” wird der Gedanke stringent entwickelt. Der entscheidende Punkt kommt jedoch nicht deutlich zum Ausdruck: Soziale Netzwerke bilden das soziale Netzwerk eines jeden Nutzers ab. Somit ergibt sich bei der Addition aller Nutzer eines Sozialen Netzwerks ein sogenannter Social Graph, der die Verbindungen der gesamten Nutzer darstellt. Bis zum Zeitalter des Web 2.0 war es nahezu unmöglich, auf ein derartiges soziales Beziehungsgeflecht zuzugreifen.

Entwicklung zum Infrastrukturanbieter (am Beispiel Facebook)

Zunächst war ein Zugriff auf den Social Graph nur für die Betreiber der Netzwerke selbst möglich. Im Mai 2007 verkündete Facebook die Öffnung seines Dienstes für externe Entwickler. Diese können seither eigene Applikationen für die Facebook-Plattform schreiben. Viele Applikationen wurden zum Erfolg (definiert als: mehr als eine Millionen Nutzer). Seit diesem Monat bietet Facebook nun Facebook Connect an. Mit Facebook Connect ist die Integration von Facebook auf anderen Seiten möglich. So kann - verkürzt dargestellt - der Seitenbetreiber auf den Social Graph von Facebook zugreifen und der Nutzer hat den Vorteil, dass das lästige Anmeldeprozedere nicht mehr bei jedem Dienst erneut durchzuführen ist.

Infrastruktur als Geschäftsmodell

Kommunikationsunternehmen stellen schon seit Jahrzehnten Netze zur Verfügung: Telefon- und Mobilfunknetze. Soziale Netzwerke werden zukünftig den Social Graph zur Verfügung stellen. Jeder wird Zugriff auf ein bisher nicht darstellbares Netz haben. Aktuell bieten alle Betreiber (Facebook Connect, MySpace ID, OpenID, Google Friend Connect, …) den Zugriff kostenlos an. Das wird aus meiner Sicht nicht so bleiben. Aktuell stehen die Dienste im Wettbewerb und es geht darum die kritische Masse als Erster zu erreichen, um dann ein Quasi-Monopol zu besitzen. Von diesem Standpunkt lassen sich dann Gebühren für die Nutzung erheben. Anders als bei den Nutzern werden die Switching-Costs für Unternehmen deutlich höher sein, so dass sie bei entsprechendem Preis beim gewählten Betreiber bleiben werden.

Aufmerksamkeit als Währung

Die Vernetzung verschiedener Dienste wird sich zukünftig noch mehr durchsetzen. Die Inhalte, die bei Diensten generiert werden (Artikel, Kommentar, Kauf, …), werden über ganz wenige zentrale Knotenpunkte aggregiert dargestellt werden (Hypothese: Facebook und ein bis zwei Nischenanbieter pro Nutzer). Ähnliches machen heute schon FriendFeed und SideStripe. Auch Beacon von Facebook war ähnlich angelegt. Ich glaube allerdings, dass wir über diese Darstellungsform (Anzeige in einem Feed) hinaus neue Formen sehen werden. Wichtig ist die Feststellung, dass aus meiner Sicht einen Paradigmenwechsel von reinem Display-Marketing hin zu “Empfehlungsmarketing” erfolgen wird.

The winner takes it all

“The winner takes it all” steht in enger Verbindung zum Netzwerkeffekt, der den Erfolg der Sozialen Netze erst ermöglicht. Der Netzwerkeffekt wird jetzt nicht nur auf der Nutzer-Nachfrageseite, sondern auch auf der Unternehmens-Nachfrageseite zum Tragen kommen. Denn nur das Netzwerk, welches den qualitativ wertvollsten Social Graph zur Verfügung stellen kann, wird interessant für Nachfrager sein.

Ein “Qualitäts-Netzwerk”

Unter “Qualitäts-Netzwerk” können aus meiner Sicht zwei verschiedene Arten von Netzwerke betrachten werden:

1. Netzwerke, die den Social Graph umfassend abbilden können. Hier sind insbesondere die großen General Interest-Netzwerke mit den meisten aktiven Mitgliedern gemeint.

2. Netzwerke, die Zielgruppen exakt abbilden können. Hierunter fallen Special Interest-Netzwerke aus dem Long Tail. Beispielhaft seinen globalzoo (Reise), Queerlee (Homosexuelle), BiggerFriends (Menschen mit mehr Format) und autoki (Auto) genannt.

Fazit

Nicht im B2C Bereich werden Soziale Netze zukünftig Umsätze generieren, sondern im B2B-Bereich. Die Anbieter Sozialer Netze werden anderen Unternehmen den Zugriff auf den Social Graph ermöglichen. Ein Netz auf das bisher nicht so einfach zugegriffen werden konnte.

10 Comments

Kommentare als RSS-FeedTrackback-URL

1 | Walter

5. Januar 2009 um 17:12 Uhr

Autoki als Bsp. für eine Zielgruppen Plattform im Bereich Auto,…. jeder der sich auskennt muss hier lachen.

Es gibt sicher Plattformen im Bereich Auto, aber Autoki ist der größte Witz und ein sehr gutes Beispiel wie mal alles falsch machen kann, dass sehen selbst die letzten Nutzer so die Autoki noch hat.

Motor-Talk.de mit Schwerpunkt Forum
TuningFilme.de mit Schwerpunkt Network und Web-TV

… es gibt einige, aber bitte nicht so ne Seite nur weil ein prominenter Investor im sinkenden Schiff sitzt.

2 | Daniel Verst

5. Januar 2009 um 17:24 Uhr

Der Themenschwerpunkt des Artikels ist dir aber klar, Walter?

3 | Andreas Dengler

5. Januar 2009 um 18:38 Uhr

Naja, inhaltlich ist es ja egal, ob Autoki oder Motor-Talk genannt wird. Wichtig ist letztlich die Fokussierung auf eine bestimmte Zielgruppe.

@Walter: Bitte denk Dir beim lesen des Artikels einfach, dass anstatt Autoki Motor-Talk steht. Der Message des Textes tut dies keinen Abbruch.

4 | Walter

5. Januar 2009 um 19:13 Uhr

Ja stimmt natürlich, der Artikel an sich ist gut und hat die gewohnte Qualität des Blogs.

B2C sehe ich ebenfalls als sehr wichtig, generell sollte man sein Modell aber auf verschiedene Säulen stellen.

5 | rafael

6. Januar 2009 um 12:29 Uhr

Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Allerdings sehe ich nur eine Verschiebung der Problematik und keine Lösung. Wie viel kann ich als Anbieter einer kostenlosen App. und Nutzer des Netzwerks an Facebook etc. bezahle? In der Regel nicht mehr wie ich mit Ihr (über Werbung) verdiene. Facebook mag somit temporär sein Problem weiterreichen. Genau so lange das jeweilige Venture-Kapital reicht… Ungelöst bleibt dagegen die Frage, wie man das letzte Glied in der Kette zum zahlenden Kunden macht.

6 | Daniel Verst

6. Januar 2009 um 12:50 Uhr

Gute Analyse Rafael. Ich sehe die Kunden-Transaktion über diesen Weg ebenfalls lediglich verschoben.

Doch muss zunächst festgehalten werden, dass dieser Punkt nicht unbedingt das Geschäftsmodell eines Anbieters Sozialer Netze - dem Schwerpunkt des Artikels - in Frage stellt.

Für diejenigen, die den Social Graph nutzen, stellt sich natürlich weiterhin die Frage, wie Aufmerksamkeit in Transaktionen umgewandelt werden können. Aufgrund sich wandelnder Mediennutzung und sinkender Werbeakzeptanz eine Frage die es in den nächsten Jahren zu beantworten gilt. Vielleicht behält aber auch Georg Franck recht und die neue Ökonomie ist die “Ökonomie der Aufmerksamkeit”.

7 | Tim

7. Januar 2009 um 17:23 Uhr

Der Gedanke ist wirklich nicht ganz neu… ;-)

Beeindruckend finde ich allerdings, dass es fast 1,5 Jahre gedauert hat, dass dieser in der deutschen Szene angekommen zu sein scheint, nachdem Mary Meeker (MorganStanley) diesen während einer Web2.0 Präsentation in San Francisco öffentlich formuliert hat.

Meiner Meinung sollte man jedoch erst mal das Malen nach Zahlen lernen bevor man hierzulande über einen Picasso nachdenkt…

8 | Daniel Verst

7. Januar 2009 um 17:47 Uhr

Ich denke der hier dargestellte Gedanke geht über den von Frau Meeker formulierten deutlich hinaus. Mary Meeker fokussierte in ihrer Präsentation eher die Verwendung des Social Graph für interne (Facebook)Zwecke. Heute, zwei Jahre später, ergeben sich ganz andere Möglichkeiten.

Mary Meekers Präsentation: http://tinyurl.com/ytc94q [Web 2.0 Summit, 18 Oct 2007; PDF]

9 | Mario Berschinski

10. Januar 2009 um 22:11 Uhr

Wenn ein kostenloser B2C-Monopolist kostenpflichtige B2B-Dienste anbietet, gehe ich davon aus, dass die Nummer 2 in dem Marktsegment schnell zum Marktführer avancieren kann - sofern dieses Unternehmen zunächst die gleiche B2B-Dienstleistung gratis anbietet. Deshalb ist diese Strategie mit vorsicht zu geniessen.

10 | Daniel Verst

11. Januar 2009 um 12:31 Uhr

Aus meiner Sicht ist die Qualität entscheidender. Ähnlich wie in anderen Bereichen werden Unternehmen bereit sein für Qualität zu bezahlen. So sehe ich z.B. einen klaren Qualitätsvorteil von facebook gegenüber MySpace. facebook bildet im Vergleich wesentlich besser real existierende Identitäten und somit auch deren Beziehungen ab.

17 Trackbacks

1 | Geschäftsmodell für Social Networks gefunden? | Medienblog München

5. Januar 2009 um 17:16 Uhr

[...] neue Jahr beginnt mit einer gewagten These: Andi schreibt im Seedfinance-Blog, dass Social Networks endlich ein vernünftiges und ertragreiches Geschäftsmodell gefunden haben: Den Wandel zum Infrastrukturanbieter und damit die Monetarisierung des Social [...]

2 | AntiDepressiva (Sebastian Schäffer)

5. Januar 2009 um 19:06 Uhr

Interessanter Artikel über Business Modelle für Social Networks auf Seedfinance: http://tinyurl.com/8e4ve9

3 | Social Networks und die Suche nach einem Geschäftsmodell | Virtual Insanity

5. Januar 2009 um 20:03 Uhr

[...] lese ich auf Seedfinance, dass man endlich ein Erfolg versprechendes Modell gefunden hätte - die Monetarisierung mittels des Social Graphs. Hierzu dienen Data Portability Techniken wie Facebook Connect oder Google Friend Connect als [...]

4 | dieGoerelebt (PR-Göre Dörte Giebel)

6. Januar 2009 um 00:08 Uhr

RT @freshheit published: Geschäftsmodell für Soziale Netze ist endlich gefunden > http://tinyurl.com/8e4ve9

5 | Neues Geschäftsmodell für soziale Netzwerke?

6. Januar 2009 um 09:59 Uhr

[...] man sich den Artikel bei Seedfinance allerdings weiter durch bleibt von dem Versprechen nicht [...]

6 | Bauhuber (F. Bauhuber)

6. Januar 2009 um 11:56 Uhr

scheint ein sinnvoller Ansatz um ROI von SN zu steigern: http://tinyurl.com/8e4ve9

7 | Bauhuber (F. Bauhuber)

6. Januar 2009 um 11:57 Uhr

sinnvoller Ansatz um ROI von SN zu steigern: http://tinyurl.com/8e4ve9

8 | Timo Heuers Weblog » Der Social Graph als Geschäftsmodell

6. Januar 2009 um 12:10 Uhr

[...] Networks sind Infrastruktur-Anbieter und können das monetarisieren, meint Daniel Verst. Durch Verbindungen und Kontakte ergibt sich der Social Graph, also das Geflecht aus [...]

9 | Mangelhafte Web 2.0 Bezahlkultur | Mei Leif

6. Januar 2009 um 12:53 Uhr

[...] schenkte mir Rivva einen interessanten Artikel, der sich mit neuartigen Geschäftsmodellen des Web 2.0 beschäftigt. Dieses Thema tangiert [...]

10 | Bookmarks vom 06-01-2009 — ErkenntnisWerk

6. Januar 2009 um 21:30 Uhr

[...] Geschäftsmodell für Social Networks und Communities gefunden Das Geschäftsmodell der Zukunft ist weder Werbung in ihren unterschiedlichsten Facetten und auch nicht ein - wie auch immer geartetes - Freemium-Modell. Kurzum: Nicht im B2C-Bereich, sondern im reinen B2B-Bereich (abseits der Werbung) liegt das zukünftige Geschäftsmodell von Sozialen Netzwerken (Tags: socialgraph geschäftsmodell socialmedia web2.0) [...]

11 | Es gibt sie, die funktionierenden Erlösmodelle für Facebook, Myspace, StudiVZ & Co. | SocialNetworkStrategien

8. Januar 2009 um 09:56 Uhr

[...] der prinzipiell in die gleiche Richtung zielt und dem ich voll und ganz zustimmen kann: “Geschäftsmodell für Soziale Netze ist endlich gefunden“. Wichtig ist die Feststellung, dass aus meiner Sicht einen Paradigmenwechsel von reinem [...]

12 | LeserEins » Blog Archive » Was ist Aufmerksamkeit wert?

9. Januar 2009 um 06:02 Uhr

[...] Seedfinance berichtet: das Geschäftsmodell für Soziale Netze ist endlich gefunden. Dabei soll die “Infrastruktur als Geschäftsmodell” dienen und die “Aufmerksamkeit als Währung”. Wenn man aber nur die Verknüpfungen der Benutzer dazu nutzt, Empfehlungsmarketing zu perfektionieren, ist das in meinen Augen nur eine besonders clevere Art der Werbung. Und Werbung als Monetarisierung von Aufmerksamkeit ist wahrlich nichts Neues, sondern Standard. Interessant ist natürlich, wenn der Betreiber eines sozialen Netzwerks seinen “sozialen Graphen” im B2B Umfeld weiterverkaufen kann - letzten Endes wird er aber primär zu Werbezwecken genutzt werden. Außerdem frage ich mich, ob die Benutzer möchten, dass ihr sozialer Graph systematisch verkauft wird. Kostenlos zur Verfügung stellen und konsumieren wird akzeptiert, aber kostenlos etwas geben, das andere dann teuer verkaufen … das könnte zu Missmut führen. Das wäre so, wie wenn Wikipedia die Artikel seiner Autoren teuer an den Brockhaus Verlag verkaufen würde und die Autoren nichts davon bekämen. [...]

13 | WhopperSacrifice - Beurteilung der Facebook-Aktion | Seedfinance

9. Januar 2009 um 14:32 Uhr

[...] Artikel “Geschäftsmodell für Soziale Netze ist endlich gefunden” bin ich kurz auf die Bedeutung der Aufmerksamkeit seitens potentieller Kunden bzgl. einer [...]

14 | Protokoll vom 10. Januar 2009beiTrackback

10. Januar 2009 um 18:00 Uhr

[...] mit der Kohle! Daniel Verst hat eine Idee, wie soziale Netzwerke Geld verdienen [...]

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12. Januar 2009 um 13:33 Uhr

[...] Artikel “Geschäftsmodell für Soziale Netze ist endlich gefunden” von seedfinance.de-Autor Daniel Verst ist der bisher erfolgreichste Artikel hier im Blog. [...]

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