Im Artikel "Geschäftsmodell für Soziale Netze ist endlich gefunden" bin ich kurz auf die Bedeutung der Aufmerksamkeit seitens potentieller Kunden bzgl. einer Marke oder eines Produktes eingegangen. Soziale Netze bergen meiner Einschätzung nach über die Darstellbarkeit des Social Graphs die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit an entscheidende Stellen (Freunde) zu kanalisieren. Bei VentureBeat wird nun ein passendes Beispiel beschrieben. Die Applikation Whopper Sacrifice belohnt diejenigen Facebook-Nutzer mit einem Whopper, die zehn ihrer Freunde aus der Freundesliste entfernen. Der Clue ist, dass die Nutzer bei Facebook normalerweise nicht über "Freundschaftskündigungen" seitens Facebook informiert werden. Genau das tut die Applikation jedoch. So gelingt es Burger King über die Applikation in die Feeds der (nicht freiwillig!) teilnehmenden Nutzer zu kommen und somit ihre Aufmerksamkeit zu erlangen.

Viraler Effekt Durch den moralisch fragwürdigen Ansatz, der im Gegenzug zu gesteigertem Interesse an der Aktion führt, dürfte sich die Applikation sehr gut viral verbreiten. Ich denke, viele werden die Applikation "ausnutzen" und zehn Freunde aus ihrer Liste werfen, den Gutschein kassieren und die Freunde danach wieder einladen. Der Effekt dürfte ein noch größeres Aufkommen an Kommunikation unter den Freunden verursachen - natürlich unter dem Label Burger King/Whooper. Innerhalb von nur einem Tag wurden über 30.000 Freunde aus den Listen ihrer Freunde ausgetragen. Der aktuelle Stand beläuft sich auf 50.000 entfernte Freunde. Qualität der Aufmerksamkeit Ob die Kampagne erfolgreich sein wird, ist nur vor dem Hintergrund des Ziels zu beantworten. Ist das Ziel die Kommunikation zu einer Marke/einem Produkt zu fördern, dann ist die hier vorgestellte Kampagne ziemlich erfolgreich. Nichtsdestotrotz sollte man einen Schritt weiter denken. Welche Art von Kommunikation findet statt? Wie ist die Qualität der Kommunikation zu beurteilen? Im gewählten Beispiel führt eine negativ belegte Aktion (Freundschaft kündigen) zum Erfolg. Und das nicht nur einmal, sondern gleich zehnfach. Darüber hinaus werden die Nutzer ungefragt in die Aktion eingebunden. Falscher Ansatz Es ist aus meiner Sicht fraglich, ob so die Markenwerte nicht deutlich beschädigt werden. Hinweise für diese Vermutung gibt u.a. die Facebook-Gruppe "Facebook vs Burger King", die mit nachstehendem Slogan versehen ist:
"Is your friend only worth a burger? SHAME ON YOU!"

4 COMMENTS

  • Daniel Verst

    Mehr als eine Verdoppleung der "Nutzer" in weniger als 24 Stunden. Aktuell: 120.000. Wow! Ich hoffe die Aktion wird nicht überall als erfolgreich gebrandmarkt. Den das ist sie nur, wenn man eine bestimmte Brille aufsetzt...

  • Daniel Verst

    Jetzt ist auch das deutsche Online-Leitmedium auf den Zug aufgesprungen: http://bit.ly/y8pq Interessant ist das Argument der federführenden Agentur: "Wir [wollten Facebook] auf ironische Weise als Marketingplattform nutzen". Aha!

  • http://www.seedfinance.de Andreas Dengler

    Bei einem Verkaufspreis von 3,67 US-$ ist einem eine Freundschaft somit rund 37 Cent wert. Mhh...

  • Daniel Verst

    Facebook hat dem Ganzen jetzt ein Ende gesetzt. Die Argumentation ist irgendwas mit Privacy. Ich würde eher auf entgangene Einnahmen spekulieren ;)

    Zitat (http://bit.ly/hKC8): We encourage creativity from developers and brands using Facebook Platform, but we also must ensure that applications follow users’ expectations of privacy. This application facilitated activity that ran counter to user privacy by notifying people when a user removes a friend. We have reached out to the developer with suggested solutions. In the meantime, we are taking the necessary steps to assure the trust users have established on Facebook is maintained.