Facebook wächst in Deutschland stark – eine demographische Nutzer-Analyse

Facebook Gründer und Chef Mark Zuckerberg verkündete gestern auf der DLD-Konferenz in München, dass Facebook aktuell in Deutschland mehr als zwei Millionen Nutzer hat. Das entspricht einer Vervierfachung der Userzahlen innerhalb eines Jahres. Damit wird Facebook endgültig auch hierzulande zum ernst zu nehmenden Konkurrenten für etablierte Netzwerke, wie die VZ-Netzwerke, lokalisten und wer-kennt-wen. Doch welcher dieser Dienste wird Facebook als Erster zum Opfer fallen?

Ein Weg sich dieser Frage zu nähern ist, sich die demografischen Daten der Nutzer anzusehen. Zunächst wird deutlich, dass insbesondere Frauen den Aufschwung von Facebook in Deutschland tragen. Was so nicht unbedingt zu erwarten war.

Deutlich erkennbar ist der sich beschleunigende Anstieg der Nutzer seit dem 21. Januar. Daraus nun die Schlussfolgerung zu ziehen, dass der Tipping Point (Netzwerkeffekt) erreicht sei, wäre aus meiner Sicht sehr spekulativ, da der betrachtete Zeitraum doch sehr kurz ist. Trotzdem ist die Beschleunigung des Wachstums ein Indikator.

Wachstumsraten nach Geschlecht im Betrachtungszeitraum:

  • Frauen: 9,4%
  • Männer: 10,2%

Frauen im Detail

Widererwartend bilden Frauen zwischen 18-34 Jahren den größten Anteil der deutschen Facebook-Nutzern. Auffällig ist, dass die Gruppe der 18-25 jährigen weiblichen Facebook-Nutzer aus Deutschland schon deutlich größer ist als die der 26-34 Jährigen. Zusätzlich verfügt diese Usergruppe auch über höhere Wachstumsraten.

Wachstum der weiblichen Facebook-User im Betrachtungszeitraum:

  • Gruppe 18-25 Jahre: 9,5%
  • Gruppe 26-34 Jahre: 7,9%

Männer im Detail

Bei den männlichen Facebook-Nutzern aus Deutschland ergibt sich ein ähnliches Bild. Der Abstand zwischen den beiden Gruppen (18-25 Jahre und 26-34 Jahre) ist jedoch deutlich geringer. Die wachstumsstärkste Gruppe (im betrachteten Zeitraum) sind – anders als das Bild vermittelt – die 18-25 jährigen Nutzer. Aber man kann deutlich erkennen, dass die Gruppe der 26-34 jährigen User seit ca. 21. Januar ein deutlich gesteigertes Wachstum vorweist.

Wachstum der männlichen Facebook-User im Betrachtungszeitraum:

  • Gruppe 18-25 Jahre: 10,6%
  • Gruppe 26-34 Jahre: 8,1%

Fazit

Zu Anfang dieses Artikels habe ich die Frage gestellt, welches deutsche Netzwerk als erstes dem amerikanischen Konkurrenten Facebook zum Opfer fallen wird. Wenn man sich die demographischen Zahlen anschaut, dürften in nächster Zeit besonders die VZ-Netzwerke (meinVZ und StudiVZ) und lokalisten in Bedrängnis kommen. Die Masse der deutschen Facebook-Nutzer überschneidet sich – bei einem knapp zweistelligen Wachstum(!) – mit den Nutzern von StudiVZ und lokalisten.

Eine interessante Frage in diesem Zusammenhang ist noch, warum Facebook derart große Wachstumsraten aufweisen kann, obwohl der deutsche Community-Markt bereits vergeben erschien. Liegt es wirklich an der Innovationsignoranz der deutschen Betreiber? Als Rechtfertigung für die Innovationsignoranz liest man ja häufig, dass die deutschen User gar nicht derart viele Features wollen, wie sie Facebook bietet. Den Wachstumsraten von Facebook nach zu urteilen, scheint das nicht zu stimmen. Warum schaffen es die deutschen Anbieter noch nichtmal Innovationen der Marktführer zu imitieren? Wo sind z.B. die offenen Entwicklerschnittstellen bei deutschen Netzwerken? Oder Initiativen zur Data Portability im deutschsprachigen Markt?

Zusatzinformationen

Seit gestern gab es in der Blogspähre zahlreiche Reaktionen auf die Bekanntgabe der neustens Userzahlen von Facebook in Deutschland und den neuen Chef, der bei StudiVZ das retten soll was noch zu retten ist. Hier eine Übersicht der spannendsten Beiträge:


Schlagwörter:, , , , , , , , , , , , , , , ,




XHTML: Du kannst folgende Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>