David (Xing-Profil), bitte erzähle den Lesern doch einleitend ein bisschen was zu Deiner Person. Was hast Du bisher in Deinem Leben angestellt und was machst Du aktuell?
Ich kann mich noch genau daran erinnern, irgendwann 1995 an einem Nachmittag, sagte mein Vater zu mir: „Komm lass uns mal dieses Internet probieren, ich habe jetzt schon einiges davon gehört...“.
1996 lancierten mein Vater und ich die Gynäkologenplattform
gyn.de. Mein Vater ist Frauenarzt und wollte seinen Kollegen eine Plattform zur Verfügung stellen, auf der sie sich über die verschiedensten gynäkologischen Themen informieren und austauschen können.
Da ich bereits früh das Programmieren begonnen habe und mein Vater technisch auch fit war, mieteten wir uns Webspace und entwickelten die Seite. Diese wurde im Laufe der Zeit vermehrt von Frauen besucht und um die Jahrtausendwende wurde es zu einer Seite „von Frauen für Frauen“. Die Gynäkologen spielte nur noch eine Nebenrolle, wenn auch stets eine Wichtige. Heute ist gyn.de ein erfolgreiches Frauenportal, welches auf einem medizinischen Fundament basiert.
Nach meinem Studium der Wirtschaftsinformatik gründete ich eine Webentwicklungsfirma, die gyn.de laufend weiterentwickelte und betrieb. Im Laufe der Zeit lernte ich den Internetinvestor Martin Saidler mit seiner
Centralway Holding AG kennen. Da er sich mit seinen Investments auf Central Eastern Europe konzentriert und ich tschechisch spreche sowie die Mentalität dieser Länder kenne, sahen wir Synergieeffekte in einer Zusammenarbeit.
Heute bin ich einer von drei Managing Partnern und Gründern der Centralway Management GmbH. Diese Gesellschaft ist der operative Arm der Centralway Holding AG. Mein Aufgabenschwerpunkt liegt im operativen Beteiligungsmanagement, beispielsweise bin ich momentan für zwei Monate in der tschechischen Republik und in der Slowakei unterwegs, um intensiv Firmen zu betreuen.
Kannst Du das Geschäftsmodell bzw. die hinter Centralway und Founderlab stehende Philosophie beschreiben? Wie hängen diese zwei Unternehmen zusammen?
Wie oben bereits erläutert ist die Centralway Gruppe ein Venture Capitalist, der seit 1999 in Internet-Startups und Mediaunternehmen investiert (u.a. Scout24). Hinter Centralway stehen Martin Saidler, Thomas Czekala (
Xing-Profil) und ich. Ein kompletter Überblick über unsere Beteiligungen und Exits findet sich auf unserer
Website.
Founder Lab wird von der Centralway Management GmbH betrieben. Es ist ein Blog auf dem Gründer, Startups und Unternehmen über alle Neuigkeiten bloggen können. Desweiteren können sie sich aber auch direkt auf der Seite um eine Finanzierung durch Centralway bewerben. Mit Hilfe des Online Video Recorders gibt es die Möglichkeit, ein Video über eine Idee oder über ein Geschäftsmodell aufzunehmen. Nach der Aufnahme landet dieses Video im persönlichen Founder Lab-Account des Users. Wir bewerten das Video, diskutieren es mit dem Bewerberteam in unserem Online Chat und unterstützen passende Konzepte anschließend bei der Finanzierung sowie mit Coaching im operativen Geschäft.
Ich gehe davon aus, dass Ihr Startup-Gründer vor einer positiven Investitionszusage auch persönlich kennenlernen wollt, oder?
Ja, natürlich. Vorerst klären wir telefonisch oder per Mail, ob grundsätzlich unsere Investitionskriterien erfüllt werden. Wenn ja, dann findet ein persönliches Treffen statt.
Was ist der USP von Centralway im Vergleich zu anderen Seed-Investoren? Warum sollte ein Startup Centralway gegenüber anderen Investoren bevorzugen?
Unsere USPs sind unsere langjährigen Erfahrungen als Unternehmer im Internet-/Online-Sektor. Die Centralway Gruppe investiert ausschließlich in Online-Geschäftsmodelle, da wir diese verstehen. Desweiteren arbeiten wir aktiv mit den einzelnen Unternehmen zusammen und unterstützen diese im operativen Management. Das investierte Geld kommt zu 100% aus dem eigenen Topf, welcher sich in den letzten 10 Jahren angesammelt hat.
Somit ist Centralway nicht gezwungen Geld zu investieren, weil ein dritter Geldgeber im Nacken sitzt und seinen Profit sehen will. Wenn investiert wird, dann nur durch 100% Überzeugung vom Geschäftsmodell und vom Team. Und das spricht wiederum für die „funded company“. Hierdurch bekommt das Unternehmen eine Bestätigung, dass nicht nur aufgrund von Investmentrestriktionen investiert wurde.
Centralway hat vor kurzem bekannt gegeben, dass ein 10 Mio. Euro Fonds aufgelegt wurde, der ausschließlich in Gründer und Startups investiert, die iPhone-Applikationen entwickeln. Warum seid Ihr so von der Apple-Plattform überzeugt? Wie schätzt Ihr die Entwicklung andere Plattformen für Mobiltelefone ein? Insbesondere auch Android von Google?
Die Kombination von iPhone und iTunes ist ein genialer Schachzug von Apple. Die Produkte sind integriert und harmonieren. Gleichzeitig wird Entwicklern die Möglichkeit gegeben, Software für ein zukunftsträchtiges Produkt zu entwickeln und dieses über einen Online-Shop (iTunes) zu vertreiben. Mit diesem Konzept ist Apple anderen Mobilplattformen einiges voraus.
Um die Frage zu beantworten, wie es mit anderen Mobilplattformen aussieht, insbesondere mit Google Android, möchte ich einen Vergleich herstellen zu Windows und Linux. Windows ist ein Produkt und besitzt dementsprechend Produktcharakter: man zahlt für das Produkt Geld, dafür bekommt man Support und regelmäßige Updates. Der Quellcode der Software ist nicht einsehbar. Die Plattform lässt eine einfache Programmierung von Software zu.
Im Gegensatz dazu Linux, meist kostenlos, offener Quellcode, sprich jeder kann es verändern und sich sein eigenes Betriebssystem erstellen. Linux ist oft nicht kompatibel zu diverser Hardware und hat sich nicht wirklich im Desktopbereich, also bei den Endanwendern, durchgesetzt. Windows hingegen ist weit verbreitet, weil es einen definierten Standard aufweist, auf dem bspw. die Hersteller von Hardware aufbauen können.
Ich denke zwischen Apple‘s iPhone und Google‘s Android wird es sich ähnlich verhalten wie zwischen Windows und Linux. Das iPhone ist das Produkt mit einer Schnittstelle für Entwickler (iPhone Apps) und Google Android wird das „Linux“ unter den Mobiltelefonen sein.
Der iPhone-Fonds hat den regionalen Investitionsschwerpunkt auf Central Eastern Europe. Warum diese regionale Einschränkung? Das heißt, Gründer aus deutschsprachigen Ländern habe keine Chance auf eine Finanzierung aus dem Fonds?
In Central Eastern Europe hat Centralway einen guten Namen, hat viele Unternehmen zum Erfolg geführt und gute Bewertungen bei Exits erzielt. Deswegen liegt unsere Fokussierung auf CEE. Dies bedeutet aber nicht, dass sich Unternehmen aus anderen Regionen, wie beispielsweise Deutschland, nicht um eine Finanzierung bewerben können.
Kannst Du uns Kennzahlen zum Portfolio von Centralway nennen? Welchen Anteil Eurer Beteiligungen musstet Ihr bisher abschreiben? Wie lang ist die durchschnittliche Haltedauer von Beteiligungen? Wie viel Prozent der Anteile haltet Ihr im Durchschnitt an Startups bei deren erster Finanzierungsrunde? Wie hoch ist die durchschnittliche Finanzierungssumme?
Die Anzahl unserer gleichzeitigen Beteiligungen ist überschaubar, da wir nicht auf Quantität, sondern auf Qualität in unserem Portfolio setzen. Nur so können wir auch eine aktive Betreuung der Unternehmen gewährleisten. Im Augenblick besteht unser Portfolio aus
invia.cz (grösstes CEE-Reiseportal),
ceknito.sk (größtes slowakisches Videoportal),
webnode.com (2. Preis bei
LeWeb 2008 in Paris),
gyn.de (deutsche Frauencommunity) und
Proseller (b2b IT-Plattform für die Schweiz) und
finder.ch (Preissuchmaschine).
Wir mussten bis jetzt sehr, sehr wenige Beteiligungen abschreiben, genau gesagt ging eine einzige Beteiligung in die Hose. Die durchschnittliche Haltedauer beträgt zwischen ein und drei Jahren. Es ist von Fall zu Fall verschieden, wie viel Prozent wir bei der ersten Finanzierungsrunde halten, aber in der Regel sind es so um die 10 Prozent. Die Finanzierungssumme ist widerrum sehr unterschiedlich, aber sie beträgt normalerweise zwischen 20.000 und 500.000 EUR.
Was waren Deiner Meinung nach die Gründe für das Scheitern der oben erwähnten Portfoliogesellschaft? Welche Tipps kannst Du Gründern daraus mit auf den Weg geben?
Das Konzept war gut, aber zu früh. Es wurde gestartet als es noch keine Nachfrage gab. Erst nach dem Markteintritt wurde klar, dass der Finanzbedarf für eine alleinige Markterschliessung zu hoch ist und somit das zu tragende Risiko nicht akzeptabel war. Damals dachten wir, dass bereits andere Wettbewerber weiter wären.
Viele Beispiele zeigen, dass es einfach ist als Verfolger oder mit mehreren Konkurrenten ins Rennen zu gehen. Man muss sofort die Reißleine ziehen, wenn man zu früh oder alleine rennt. Als Profi muss man in der Lage sein, schnell zu entscheiden und Dinge abzuschliessen. Wir können dies, mussten es aber bislang nur einmal machen.
Sind bei Euren Beteiligungen bereits erste Auswirkungen des wirtschaftlichen Abschwungs zu spüren? Wie beurteilst Du die aktuelle gesamtwirtschaftliche Situation für Startups? Welche Tipps kannst Du Startup-Gründern in der jetzigen Situation geben?
Um ehrlich zu sein, nein wir spüren bei unseren Beteiligungen momentan keine dramatischen Auswirkungen des Abschwungs. Das Funding für Startups ist generell ganz klar zurückgegangen. Der Markt befindet sich gerade in einer Konsolidierungsphase, die meiner Meinung sehr gut tut.
In den letzten zwei Jahren sind so viele Internet-Startups mit schlechten Geschäftsmodellen aus dem Boden geschossen, dass es nun an der Zeit den Markt um diese zu bereinigen. In der jetzigen Zeit gilt es für Gründer und Startups Durchhaltevermögen zu beweisen und die monatliche Burnrate zu senken. Die Zeiten werden wieder besser, sicher.
Auf der anderen Seite bietet ein wirtschaftlicher Abschwung für Investoren auch hervorragende Chancen, da die Bewertungen sehr stark fallen. Konntet Ihr bereits niedrigere Bewertungen feststellen? Wie habt Ihr vor zu agieren?
Ja, es haben sich in den letzten drei Monaten Firmen bei uns gemeldet, die sich Mitte 2008 zu sehr hohen Bewertungen um ein Funding beworben haben, diesmal zu wesentlichen niedrigeren Preisen. Natürlich bietet es diese Zeit nahezu an eine Einkaufstour zu starten. Und wir haben diese auch bereits begonnen.
Was ist Dein persönlicher Ausblick auf die Entwicklung der Venture Capital- und Startup-Branche 2009?
Ich denke, dass die momentane Situation sehr gute Geschäftsmodelle und Unternehmer hervorbringen wird. Gerade in der heutigen Zeit sind gute Unternehmer gefragt, die wirtschaftlich denken und handeln können. Ich bin mir sicher, dass wir gute Geschäftsmodelle und Teams erleben, die durch Ihre Qualitäten überzeugen. Auf der anderen Seite werden sich Gründer natürlich zweimal überlegen, ob sie nun ihr Business starten und die Durststrecke durchstehen, oder lieber noch ein Weilchen warten sollen.
Die Venture Capital-Szene, die im Online-Sektor aktiv ist, wird weiterhin auf Investmentsuche sein. Aber die Bewertungen sind lange nicht mehr die von vor 2 Jahren, wovon momentan Investoren profitieren, die jetzt Geld zum investieren haben.
Zusammengefasst kann ich sagen, dass 2009 ein sehr spannendes Jahr wird und sich Opportunitäten zeigen werden, sowohl für Gründer und Startups als auch für Investoren.
David, ganz herzlichen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit Centralway!