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Daniel VerstPosted on :
November 24, 2009
Aktuell flammt die Diskussion, wie Verlage im Internet mit Ihren Produkten (Zeitungen, Zeitschriften, …) Geld verdienen können, wieder einmal auf. Dabei erhielten zwei Ankündigungen in der letzten Woche besondere Aufmerksamkeit. So will das Verlagshaus Axel-Springer mit der Einführung von kostenpflichtigen Applikationen, die die Nutzung der Internetauftritte von Welt und Bild erlauben, die Zugriffsmöglichkeit auf die Webangebote mit bestimmten Endgeräten verbieten. Rupert Murdoch, seines Zeichen einer der einflussreichsten Medienunternehmer, plant alle Internetseite der News Corporation nicht mehr von Google indexieren zu lassen und gleichzeitig mehr Paid Content anzubieten. Doch wie erfolgsversprechend sind diese Strategien?
Google: Freund oder Feind?
Zunächst sei die Strategie, Google die eigenen Seiten nicht mehr indexieren zu lassen kritisch beleuchtet. Auf Seiten der Verleger ist insbesondere das Argument verbreitet, dass sie die Kosten für die Produktion der Inhalte voll übernehmen und Google ohne Gegenleistung auf diese zugreift und auf den eigenen Seiten in Ausschnitten darstellt. Google hält dem entgegen, dass sie wichtiger Traffic-Lieferant (der bei werbefinanzierten Internetseiten zu Umsätzen führt) für die Onlineangebote der Verlage sind.
Die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache. 30% - 50% des Traffics auf den Nachrichtenseiten kommt laut Hitwise schon heute von Google. Man kann also durchaus die These vertreten, dass 30%-50% des Umsatzes von Nachrichtenseiten nur mit Google möglich sind. Ob ein Ausschluss von Google bzw. 30%- 50% der Leserschaft und die simultane oder nachgelagerte Einführung von Paid Content die Umsatzverluste kompensiert bzw. im besten Fall zu höheren Umsätzen führen kann, ist eine Wette. Rupert Murdoch scheint sich jedenfalls recht sicher zu sein.
Überholtes, altes Denken
Der Ansatz Google als Wettbewerber um die Aufmerksamkeit des Kunden oder als Freund bzw. Feind zu kategorisieren ist jedoch überholt. Einer der Vordenker ist auf diesem Gebiet Jeff Jarvis (Autor: Was würde Google tun?), von dem auch die folgende Aussage stammt: „Lernt von Google, statt es zu bekämpfen! Google versteht die neue Ökonomie der Medien.“
Das entscheidende, unterscheidende Merkmal des Internets gegenüber anderen Medien ist der Link. Nur der Link kann die Aufmerksamkeit des Rezipienten, die Umsätze für die werbegetriebenen Angebote der Verlage bedeuten, kanalisieren. Von einem Link existiert nur ein Exemplar, welches durch Verbreitung an Wert gewinnt. Nicht wie im vorherigen Zeitalter, wie es Jarvis formuliert, als die Anzahl der verkauften Exemplare den Wert bestimmten. Die Verbreitung ist entscheidend.
Ein ökonomisches Argument - Knappheit neu definiert
Die Ökonomie bezieht ihre Daseinsberechtigung u. a. aus dem Axiom der Knappheit der Güter. So ist auch Aufmerksamkeit ein knappes Gut (dazu Frank, Georg: Ökonomie der Aufmerksamkeit). Die Inhalte der Verlage kämpfen um die Aufmerksamkeit der Rezipienten. Erhalten sie diese, verkaufen sie einen Teil davon an ihre Werbekunden weiter.
Früher gab es für die Verlage nur einen ‚verlagsinternen Wettbewerb‘ um die Aufmerksamkeit der Rezipienten. Das hatte zur Folge, dass die Verlage ihre Produkte unterschiedlich bzgl. der definierten Zielgruppe ausrichteten und eine - im besten Fall exklusive - Markenwelt schafften, um die Aufmerksamkeit der Rezipienten zu erlangen. Dann kam das Internet und mit dem Internet wurden vorherige Differenzierungsmerkmale weniger wichtig. Informative Inhalte (insbesondere tagesaktuelle Nachrichten), die einen Teil der Aufmerksamkeit erringen können, gibt es seitdem im Überfluss - dem Gegenteil von Knappheit.
Und im Internet gibt es Google (und andere Suchmaschinen). Google stellt die Knappheit wieder her. Google indexiert, bewertet und veröffentlicht Inhalte. Es trennt wichtig von unwichtig. Google kanalisiert die Aufmerksamkeit des Nutzers. Google schafft die Knappheit im Informationsüberfluss, die so dringend gebraucht wird, um dem Produkt einen Wert zu geben.
Niemand sollte sich Google verschließen, außer…
Aus diesem Grund ist es nicht zielführend, Google nicht auf die eigenen Inhalte zugreifen zu lassen. Niemand schafft es so gut eine neue Knappheit bzw. Aufmerksamkeitskanalisierung, schlussendlich dem Umsatztreiber für Inhalte-Anbieter im Internet, herzustellen. Wie und ob die Inhalte als Paid Content angeboten werden, ist eine davon losgelöste Frage. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen ist es jedoch in Zweifel zu ziehen, dass diese Strategie erfolgreich sein wird.
Anders sieht es im Bereich Mobile aus. Aufgrund deutlich gesunkener Barrieren bei der Bezahlung könnten sich hier durchaus kostenpflichtige Applikationen durchsetzen. Allerdings nur, wenn alle Verlage zusammenarbeiten und eine gemeinsame Strategie verfolgen. Fällt nur Ein Haus heraus und setzt beispielsweise auf ein werbefinanziertes Angebot, wird sich die Aufmerksamkeit der Rezipienten ihren Weg suchen.
Grundsätzlich muss es auf Verlagsseite zu der Einsicht kommen, dass der zu verteilende Kuchen insgesamt kleiner wird. Alte Umsätze werden nicht mehr erreicht werden. Trotzdem lässt sich mit (qualitativ hochwertigen) Inhalten noch gutes Geld verdienen.
