Thomas Promny, Baujahr 1981, hatte noch nie einen richtigen Job. Er hat während des Abiturs schon angefangen erste Internetprojekte zu entwickeln und daran so viel Spaß gefunden, dass er nie etwas anderes gemacht hat - bis heute.
seedfinance: Thomas, obwohl man dich ja wirklich als omnipräsent bezeichnen kann, gibt es sicherlich eine kleine Gruppe von Lesern, die dich noch nicht kennt. Erzähl uns doch bitte kurz wer du bist, was du schon so gemacht hast und im Augenblick tust....
Thomas: Wie gesagt, ich habe schon immer zusammen mit verschiedenen Partnern Internetprojekte und -unternehmen entwickelt. Aktuell gehören zu den maßgeblich von mir mitentwickelten unter anderem:
RevenueMax AG
ein innovatives Display-Advertising-Vermarktungsunternehmen
Gimahhot GmbH ein Online-Shopping-Marktplatz
TRG The Reach Group GmbH,
eine Unternehmensberatung mit dem Fokus auf die Online-Marketing-Branche
Sohomint GmbH,
ein auf die werbebasierte Monetarisierung von Content spezialisiertes Unternehmen
Picopay GmbH
ein innovativer Micropaymentanbieter
Kleinere Anteile habe ich beispielsweise an der Musikplattform
simfy oder der Luxus-Fashion-Shopping-Community
fashionette.
seedfinance: Bei einem Besuch auf deinem Xing-Profil wird man quasi erschlagen von deinen momentanen geschäftlichen Engagements. Ich zähle 14 Unternehmen, bei denen du entweder Geschäftsführer/Berater/Gründer/Aufsichtsrat oder Investor bist. Konzentrieren wir uns auf die wichtigsten drei Projekte. Welche sind das und was begeistert dich an diesen?
Thomas: Die wichtigsten 3 sind immer schwierig. Ich liebe sie natürlich alle. Tatsächlich achte ich auch sehr darauf, die Zahl meiner Engagements überschaubar zu halten. Auf der einen Seite, weil ich keine Lust habe, 80 Stunden pro Woche zu arbeiten. Andererseits auch, um sicherzustellen, bei jeder Beteiligung auch einen sinnvollen Beitrag leisten zu können.
Die meiste Zeit investiere ich derzeit in meine jüngste Neugründung, die bereits erwähnte
RevenueMax AG. Spannend daran ist vor allem, dass ich die Idee dazu seit vielen Jahren im Hinterkopf hatte und ich mich jetzt sehr freue, sie endlich dem Realitätstest auszusetzen. Die ersten Wochen seit der Gründung Anfang Juni beginnen auch schon sehr viel versprechend.
seedfinance: Was fasziniert dich am Gründerdasein? Wolltest du schon immer Gründer werden oder hat sich dies eher zufällig ergeben?
Thomas: Wenn es cool klingen soll, nenne ich mich „Learning-by-doing-Unternehmer“. Wenn ich ehrlich bin, bin ich wahrscheinlich eher „Aus-Versehen-Unternehmer“. Hat damals ein paar Jahre gedauert, bis mir bewusst wurde, was ich getan habe. In die Wiege gelegt wurde mir das Unternehmertum ganz und gar nicht.
Später hat dann ein Freund mal über mich gesagt: „Wenn du irgendwo einen richtig Job hättest, würdest du nach 3 Tagen kündigen, aber nach 2 Tagen wärst du schon rausgeworfen worden.“
Mir blieb also gar nichts anderes übrig, als Unternehmer zu werden.
seedfinance: Hat es lange gedauert, bist du von den Erträgen deiner Startups leben konntest? Gab es Durstphasen in denen alles auf wackeligen Beinen zu stehen schien?
Thomas: Ganz am Anfang war es eher einfach. Ich hatte kein Startkapital, musste von Anfang an aus dem Cashflow leben. 1999 und 2000 ging das gut, damals gab es viel gutes Geld für schlechte Werbung im Internet. Der Markt steckte in den Kinderschuhen, war aber überschwemmt von „stupid money“. Davon habe ich profitiert. Aus heutiger Sicht auf sehr kleinem Niveau, aber es kam doch meistens ein mehrfaches des
Zivigehaltes rein, was natürlich schön war.
Direkt danach kamen dann aber die bekannten Jahre 2001 und 2002, in denen der Online-Werbemarkt so gut wie tot war, was mich damals auch hart getroffen hat. Ab 2003 ging es dann aber auch wieder steil bergauf.
seedfinance: Bist du auch im Ausland aktiv? Welche Länder sind für dich besonders interessant und aus welchem Grund?
Thomas: Eher wenig. Zwischenzeitlich hatte ich mal ganz erfolgreiche Projekte in Frankreich, Italien und noch einigen anderen Märkten. Aber besonders gut verstanden habe ich die nie. Mittlerweile bin ich ganz zufrieden mit dem Fokus auf den deutschen Markt. Man muss nicht ständig umherfliegen und die Leute hier zahlen ihre Rechnungen im Durchschnitt auch wesentlich pünktlicher als Italiener.
seedfinance: Nehmen wir an, du hast eine super Idee für ein weiteres Startup. Wie würdest du vorgehen? Wer wären deine ersten Ansprechpartner und welche Messen/Veranstaltungen würdest du besuchen, um dein Projekt einer breiten Masse vorzustellen und möglicherweise Investoren zu finden?
Thomas: Das hängt natürlich immer vom Thema und Umfang des Startups ab. Kleinere Themen starte ich erst mal allein im Rahmen und mit dem Team meiner
adfire GmbH, die verschiedene werbefinanzierte Webprojekte betreibt und in dem Bereich auch gern experimentiert.
Größere Themen, die mehr als nur eine Webseite und Traffic brauchen, würde ich nicht allein starten, sondern ein passendes Team zusammen suchen. Dabei helfen aber weniger Veranstaltungen, sondern mein Adressbuch. Menschen, die ich schon kenne, kann ich natürlich eher solche Themen anvertrauen.
Wenn ich trotzdem eine Veranstaltung empfehlen soll: Allgemein als Klassentreffen für die Online-Branche finde ich die
DMEXCO in Köln, trotz des gruseligen Namens, unübertroffen. Veranstaltungen, auf denen nur Menschen rumlaufen, die glauben zwischen ihnen und der Weltherrschaft steht nur eine Million Euro VC, finde ich eher selten ergiebig.
seedfinance: Was sind Deiner Meinung nach im Jahr 2010 die Innovationstreiber der Internetbranche? Welchen Ideen räumst du besonders gute Chancen ein?
Thomas: Innovationstreiber sind aus meiner Sicht immer in erster Linie die Unternehmer. Insofern finde ich es gut und unterstützenswert, dass in Deutschland immer mehr erfahrene Onliner Inkubatoren gründen und damit eine Vielzahl von Unternehmen starten. Volkswirtschaftlich betrachtet, wird das Deutschland hoffentlich helfen, in dieser wichtigen Zukunftsbranche zum Rest der Welt, insbesondere den USA, aufzuschließen.
Wenn ich wüsste, welche konkreten Ideen in diesem Jahr abräumen, würde ich nicht dieses Interview tippen, sondern beim Notar sitzen und gründen.

Im Ernst, ich glaube nicht so sehr an die jedes Jahr neu ausgerufenen Hypes. Die Themen, auf die sich alle stürzen, finde ich eher unattraktiv.
seedfinance: Wo siehst du dich in 5 Jahren?
Thomas: Ich habe schon die perfekte Stadt gefunden, das ist
Hamburg. Und ich habe für mich den perfekten Beruf. Ich denke, beides wird sich nicht ändern.
seedfinance: Zu guter Letzt: Hast du noch einen entscheidenden Rat, den du kapitalsuchenden Startups mitgeben möchtest?
Thomas: Vielleicht etwas, das ich selbst, aus meinen mittlerweile sehr viele Gesprächen mit Gründern und solchen, die es werden wollen, gelernt habe: Ich bemühe mich immer, die Ideen sachlich zu kritisieren, aber die Menschen dennoch nicht zu demotivieren. Denn es ist wichtig für unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft, dass junge Menschen Unternehmen gründen. Und es war noch nie so einfach, billig und damit risikoarm wie heute, zu gründen, insbesondere Internet-Unternehmen.
Daraus entstehen natürlich auch viele Ideen, die ich für unsinnig halte und nicht unterstützen würde. Aber ich habe auch erst verstanden, welche Revolution die GPS-Technologie auslöst, als ich meinen ersten TomTom im Auto angestöpselt hatte. Vorher habe ich mich jahrelang gefragt, wozu das wohl gut sein sollte, seine Position bestimmen zu können.
Ich beschäftige mich viel mit der Zukunft und welche Geschäftsmodelle sie gefährden, begünstigen oder verändern könnte. Trotzdem gibt es zu dem Thema auch kein passenderes Zitat als „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Und ob es einer der vielen total verrückten Ideen, die ich so in den letzten Jahren gehört habe, nicht doch das nächste Google wird, weiß man nicht.
Also mein Tipp für Möchtegern-Gründer: Selbstbewusstsein mitbringen und seine Ideen umsetzen. Dabei aber bitte schnell und billig scheitern: Wer sagt, er braucht 2 Jahre und eine Million Euro, um herauszufinden, ob seine Idee für einen Online-Service funktioniert oder nicht, sollte noch mal nachdenken. Meistens geht es viel billiger und schneller. Das Gute am schnellen Scheitern: Wenn man weiß, in welche Richtung es nicht funktioniert, bleibt hoffentlich noch Zeit und Geld, es in einer anderen Richtung zu versuchen.
Und erst danach sollte die Kapitalsuche kommen. Heute gibt es so viele Gründer, die von VC träumen, aber noch längst kein VC-taugliches Geschäft haben. Die Zeiten, in denen VCs Powerpoint gekauft haben, sind seit 10 Jahren vorbei.
seedfinance: Thomas, ganz herzlichen Dank für das Interview. Ich drücke dir die Daumen für dein neuestes Projekt RevenueMax und wünsche dir weiterhin viel Erfolg!
