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Till OhrmannPosted on :
Juli 28, 2010
Die Berliner RatioDrink AG, eine klassisches Spin-Off aus der Freien Universität Berlin, wurde 2006 von Rafael Kugel und Prof. Dr. Günter Faltin gegründet.
Aus RatioDrink-Fruchtsaftkonzentraten können Endverbraucher ihre Säfte selber mischen: Fruchtsaftkonzentrat ins Glas geben, Wasser dazu, schon ist der Saft trinkfertig.
RatioDrink Fruchtsaftkonzentrate sind reine Konzentrate, ohne Zusätze oder Konservierungsstoffe. Mit RatioDrink erspart sich der Kunde die unnötige Schlepperei von Saftkisten, die Lieferung erfolgt bequem direkt nach Hause oder ins Büro. Man spart Platz in der Küche und kann sich seinen Saft jederzeit nach Geschmack selber mischen. Darüber hinaus spart RatioDrink unnütze Transportwege von Wasser ein und trägt so aktiv zum Schutz unserer Umwelt bei. RatioDrink Fruchtsaftkonzentrate gibt es derzeit in den Sorten Apfel, Orange, Himbeere, Kirsche und Johannisbeere.
Rafael Kugel ist Gründer und Vorstand der RatioDrink AG.
Herr Kugel, erzählen Sie den Lesern doch bitte kurz wer Sie sind, was Sie schon so gemacht haben und im Augenblick tun...
Ein eigenes Unternehmen aufzubauen und selber zu gestalten hat mich schon seit meiner frühen Jugend fasziniert. Nach meinem Studium an der Freien Universität Berlin habe ich drei Jahre bei KPMG gearbeitet und dabei viele Unternehmen von innen gesehen. Auch dort wird nur mit Wasser gekocht, und nicht immer mit frischem Wasser.
Von 2005 bis 2010 war ich in Teilzeit Assistent bei Günter Faltin, Professor für Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin und Gründer der Teekampagne.
Wer seinen Studenten etwas über Unternehmensgründung erzählen möchte, sollte auch selbst gegründet haben. 2005 gründete ich „live“ in meiner Lehrveranstaltung das Unternehmen rapskernoel.info, das ein sehr hochwertiges Speiseöl, in einer 3-Liter-Packung, im Versand vertreibt.
2006 haben Günter Faltin und ich gemeinsam die RatioDrink AG gegründet. Mit RatioDrink machen wir die Verbraucher zu eigenen Saftherstellern. Aus unseren Fruchtsaftkonzentraten können unsere Kunden ihre Säfte selber mischen: Fruchtsaftkonzentrat ins Glas geben, Wasser dazu, schon ist der Saft trinkfertig!
Mit dem Aufbau von RatioDrink als Gründer und Vorstand beschäftige ich mich derzeit in Vollzeit.
Das RatioDrink-Prinzip, erklärt von Rafael Kugel:
httpv://www.youtube.com/watch?v=eFp1ciH_aMw&feature=player_embedded
Sie sind Mitgründer der RatioDrink AG. Einem größeren Publikum durch die Erwähnung in Prof. Faltins Buch "Kopf schlägt Kapital" bekannt gewordenen Spin-Off der FU Berlin. Sie erfahren Praxis und Lehre des Entrepreneurships durch Ihre Mitarbeit im Arbeitsbereich Entrepreneurship aus nächster Nähe. Was macht Ihnen mehr Spaß: Theorie oder Praxis?
Die Theorie zu Entrepreneurship ist spannend, insbesondere die Arbeit mit dem „Labor für Entrepreneurship“ war sehr vielseitig und interessant. Für mich persönlich ist es aber viel spannender, selber ein Unternehmen zu gründen!
Sie stehen für ein Outsourcing der meisten Geschäftsbereiche und leben dies auch, wie man am Beispiel der RatioDrink AG oder Rapskernoel.info sehen kann. Welche Aufgaben bleiben denn dann eigentlich für den Gründer noch übrig?
Wenn ein Unternehmen so organisiert ist wie RatioDrink oder rapskernoel.info, dann bin ich für die Abwicklung der normalen Geschäftsvorfälle überflüssig. Alle Aufgaben, die sich mit der Entwicklung des Unternehmens beschäftigen, darum muss ich mich als „Entrepreneur“ kümmern. Wohin soll die Reise gehen? Was müssen wir unternehmen, damit wir diese Ziele erreichen? Dies sind noch genug Aufgaben, um sich 24 Stunden am Tag, auch im Schlaf, zu beschäftigen...
Hatten Sie jemals Finanzierungsprobleme mit einem Ihrer Startups?
Nein, eigentlich nicht. Beim Start von rapskernoel.info habe ich z.B. zu Beginn alle Bestellungen erst einmal gesammelt, bis das Volumen groß genug war für die Produktion der ersten Charge. Damit war die Produktion weitgehend finanziert. Gut kommuniziert, hatten meine Kunden vollstes Verständnis dafür und sind sogar heute noch stolz darauf, ganz am Anfang dabei gewesen zu sein.
RatioDrink haben wir als Aktiengesellschaft gegründet. Das eingezahlte Stammkapital von 50.000 Euro hat für den erfolgreichen Start völlig ausgereicht.
Was halten Sie von Startup-Finanzierungen über Venture-Capital-Firmen? Sollte man nicht um jeden Preis versuchen sein Unternehmen selber zu finanzieren? Oder ist dies in Zeiten von Web 2.0 auf Grund der hohen Marketing-, Website- und Personalkosten nicht mehr möglich? Bei Ihnen hat es doch auch geklappt...
Die optimale Finanzierung eines Startups hängt von der individuellen Ausgangssituation, dem Design des Konzeptes und von der langfristigen Zielsetzung des Startups und der Gründer ab und lässt sich nicht pauschal beantworten.
Ich persönlich möchte meine Startups möglichst selbst finanzieren und so gestalten, dass die Abhängigkeit von Dritten möglichst gering ist. Wenig Geld kann man in der Regel durch ein intelligentes Businessmodel kompensieren.
Bei Beteiligungen sollte es aber nicht nur um die reine Finanzierung gehen, sondern auch um die Netzwerke, Synergien und Kontakte von VC´s gehen.
Wie wird für Sie das Jahr 2010 aus finanzieller Sicht laufen? Ist die RatioDrink AG profitabel?
RatioDrink im Prinzip schon seit Unternehmensstart profitabel. Im ersten Jahr hatten wir leider mit unserer Verpackungsform einige Probleme, was uns viel Geld gekostet und unter dem Strich ein Verlust entstanden ist. Abgesehen davon schreiben wir seit dem Start jedes Jahr schwarze Zahlen.
Gibt es Bestrebungen Ihrerseits im Ausland die Geschäftsidee zu testen oder ist der Markt dort schon vergeben bzw. nicht vorhanden?
Nachdem wir uns im sehr harten deutschen Lebensmittelmarkt erfolgreich etabliert haben, werden wir selbstverständlich auch in ausländische Märkte expandieren. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits auf Hochtouren.
Welche Web- und Tech-Trends verfolgen Sie mit besonderer Begeisterung?
Immer mehr Leistungen können webbasiert in die eigene Wertschöpfungskette eingebunden werden. Komplexe Ausgaben wie die Buchhaltung können an Dritte abgegeben werden. Bei rapskernoel.info und bei RatioDrink sind sämtliche Prozesse seit Unternehmensstart ausgelagert. Leistungen, die früher kapitalintensiv „inhouse“ erstellt werden mussten, können heute einfach und mit einer variablen Kostenstruktur an spezialisierte externe Dienstleister herausgegeben werden. Dies eröffnet ganz neue Möglichkeiten für Startups.
Haben Sie weitere Ideen in der "Gründungspipeline"? Wie geht es persönlich für Sie weiter? Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?
Mich fasziniert die Entstehung neuer Unternehmen, die Stunde null. Wie schaffe ich aus nichts ein neues Unternehmen, das sich erfolgreich am Markt etabliert? Sobald ein Unternehmen so groß geworden ist, dass alle Abläufe Routine sind und hauptsächlich gut „verwaltet“ werden muss, finde ich es nicht mehr so spannend und bin vielleicht auch nicht der Richtige dafür.
Ich arbeite kontinuierlich an neuen Unternehmenskonzepten, die in Zukunft umgesetzt werden können. Ich sehe mich auch in 5 Jahren noch als Gründer und Entrepreneur.
Zu guter Letzt: Haben Sie noch einen entscheidenden Rat, den Sie anderen Existenzgründern mitgeben möchten?
Ich empfehle allen Gründern, so lange an ihrem Konzept zu arbeiten, bis es wirklich ausgereift und gut ist. Je geringer ihre Ressourcen sind, desto intelligenter muss das Konzept sein! Hinterfragen sie die Konventionen und fokussieren sie sich auf das Wesentliche.
Herr Kugel, ganz herzlichen Dank für das Interview. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihren Projekten RatioDrink/Rapskernoel.info und außerdem viele weitere interessante Ideen!