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Till OhrmannPosted on :
August 02, 2010
Thomas, erzähl doch den Lesern bitte kurz wer du bist, was du schon so gemacht hast und im Augenblick tust...
Ich heiße Thomas Ruland und bin Mitgründer und CFO bei cloudControl, einem der wenigen europäischen Platform-as-a-Service Anbieter Europas. Aufgewachsen bin ich in der Köln/Bonner Gegend, wo noch immer mein Lebensmittelpunkt ist, wenn ich nicht gerade in Potsdam/Berlin verweile. Die wichtigsten Stationen vor cloudControl waren mein Studium in Maastricht (Niederlande) und Taipei (Taiwan), verschiedene Praktika im Finanzbereich bei Philips in Singapur und JPMorganCazenove in Frankfurt sowie meine Jahre als Analyst bei der UBS Investment Bank in Frankfurt.
Es gab bisher kaum eine Station in meinem Leben, in der ich nicht in mindestens eine Nebenbeschäftigung Dinge geleitet oder veranstaltet habe (wie z.B. Konzerte, Kongresse, Investmentclubs, Studentenorganisationen, etc. . Im Nachhinein betrachtet verwundert da der Schritt in die Selbständigkeit nicht sehr, auch wenn er mir Anfangs viel Mut abverlangt hat.
Du bist Mitgründer der CloudControl UG. Was erwartet einen beim Besuch der Website? Was ist der Gedanke hinter dem Projekt?
Mit cloudControl betreiben wir einen der ersten Platform-as-a-Service (PaaS) Dienste in Europa. PaaS ist eine Plattform für den Betrieb von Webanwendungen. Die Plattform kümmert sich dabei vollautomatisch um die gesamte Administration der Infrastruktur (Software und Hardware) und bietet darüber hinaus eine Reihe von Vorteilen wie Skalierbarkeit, Hochverfügbarkeit und Abrechnung nach dem tatsächlichen Verbrauch.
Beim Besuch der Webseite wird man bemerken, dass diese sehr technisch gehalten ist. Das liegt vor Allem daran, dass unsere Zielgruppe Webentwickler sind. Gerade für diese ist das Angebot interessant, da man seine Webanwendung nicht nur bei uns hosten, sondern die Plattform auch als Entwicklungsumgebung nutzen kann. Damit spart man sich direkt auch den Administrationsaufwand für die Testumgebung und kann sich voll und ganz auf seine Kernkompetenz, das Entwickeln von Anwendungen, konzentrieren. Cloud Hosting - Ein Begriff der sicher vielen noch nicht ganz geläufig ist. Was kann man darunter verstehen?Im Allgemeinen beschreibt Cloud Hosting die flexible Bereitstellung von Hostingressourcen. Hier gilt es zu unterscheiden zwischen IaaS, der reinen Bereitstellung von Servern, und PaaS, der Bereitstellung von Leistung. Aus unserer Sicht ist IaaS nur ein Zwischenschritt zur optimalen Cloud Hosting-Lösung, da ich mich als Entwickler oder Webseitenbetreiber noch immer um die Administration kümmern und teilweise selbst die Skalierung übernehmen muss. Deswegen setzen wir auf Platform-as-a-Service, da der Kunde hier den größtmöglichen Nutzen hat. Er muss seine Anwendung nur hochladen und sie läuft. Um alle weiteren Sachen kümmert sich die Plattform selbstständig.
Gerade für Startups ist das interessant, da eine PaaS-Lösung viele derzeitigen Hosting-Probleme, wie statische Abrechnung und schlechte Skalierbarkeit, hohen Administrationsaufwand usw. löst und ihnen das Leben somit deutlich erleichtert. cloudControl besteht mittlerweile seit mehr als 1 1/2 Jahren. Sicher gab es auch mal den ein oder anderen Stein, der aus dem Weg geräumt werden musste...? Die eigentliche Idee zu cloudControl ist meinem Mitgründer Philipp Strube zu verdanken. Er hatte Sie irgendwann im Herbst 2008 und hat dann angefangen, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen und einen Blog (serverwolken.de) darüber zu starten. Gegründet wurde das Unternehmen dann im Januar 2009 und wir wollten es Bootstrappen, während wir alle noch unseren Berufen/Studium nachgingen. Als wir dann im Juli 2009 den eco Award im Bereich Hosting gewannen, haben wir uns entschlossen Investoren anzusprechen und uns dem Unternehmen vollzeit zu widmen. Zum einen war es schwer, einfach mal so seinen Job zu kündigen und sich in ein doch eher ungewisses Fahrwasser ohne festes Einkommen zu begeben. Zum Anderen war die Investorensuche mitten in der Kreditkrise nicht einfach. Deswegen sind wir glücklich, dass doch alles relativ schnell geklappt hat und die Seedfinanzierung nach einigen Monaten in trockenen Tüchern war. Geholfen hat während des nervendaufreibenden Zeit vor allem auch die Tatsache, dass wir uns untereinander schon seit beinahe 15 Jahren kannten. Wie sieht die Konkurrenz von cloudControl aus und was unterscheidet euch von dieser? Der Betrieb von Webapplikationen ist ein Riesenmarkt, da im Grunde genommen jede Webseite eine Hosting Lösung benötigt. Gerade Cloud Computing bringt hier einen neuen Wind hinein, da es eine enorme Menge an Vorteilen gegenüber dem traditionellen Hosting Geschäft bereithält. Dementsprechend sind auch viele große Player wie Microsoft (Azure), Google (AppEngine) und Amazon (AWS) in diesem Segment unterwegs - kein Wunder, wenn man bedenkt, dass IDC ein Wachstum für das gesamte Umfeld von 16,5 Mrd. USD auf 55,6 Mrd. USD erwartet. Natürlich haben wir unsere eigene Abgrenzung gegenüber der Konkurrenz geschaffen. Zum einen sitzen wir in Europa und nutzen auch nur Server die in Europa stehen, was aus datenschutzrechtlichen Gründen wichtig ist. Zum anderen bieten wir PHP als Sprache an, was bei den meisten Konkurrenten gar nicht oder nur über Umwege läuft. Bei cloudControl haben wir das Credo, das der Kunde die größtmögliche Freiheit hat. Deswegen haben wir keine Mindestvertragslaufzeiten, komplizierten Klauseln oder Lock-In Effekte eingebaut. Wir setzen auf verschiedene Open-Source Komponenten wie Apache, MySQL oder Varnish, die es erlauben, seine Anwendung flexibel zu verlagern. Zudem zahlen Kunden nur für das, was sie tatsächlich verbrauchen. In Zukunft werden wir noch eine Vielzahl von Addons hinzufügen, die es Entwicklern erlauben, nützliche Zusatzfunktionen auf einfachste Art und Weise für ihre Applikation hinzuzufügen - etwas, was bisher nur sehr wenige Anbieter bieten. Ihr habt Anfang des Jahres eine Kapitalspritze erhalten. Wie wird für euch das Jahr 2010 aus finanzieller Sicht laufen?Wie schon oben beschrieben erleichtert die Finanzierung natürlich vieles. Man muss nicht mehr von seinem Ersparten leben und kann sich ein ordentliches Büro mieten und Angestellte einstellen, welche die Entwicklung der Software deutlich vorantreiben. Bisher sind wir im Zeitplan und befinden uns gerade in der kostenlosen Beta, bei der noch kein Geld fließt. Das Feedback war bisher sehr positiv und wir haben wichtige Erkenntnisse gewonnen, die uns helfen die Plattform weiter zu optimieren. Zudem haben bereits einige Betatester Interesse geäußert, ihre Webanwendungen auch nach der Beta mit cloudControl zu hosten, was ab September möglich sein wird.
Warum habt Ihr euch für die Gründung einer UG entschieden?Wir haben die UG gegründet, um direkt eine eigene juristische Person zu haben, die die gewerblichen Schutzrechte und Güter der Gesellschaft hält. Dies ist gerade für eine Finanzierungsrunde von Vorteil, da sich an dieser der VC/Business Angel direkt beteiligen kann.
Für diesen Zweck bot sich die UG als günstigste und praktikabelste Form an. Wir hätten auch eine Ltd. nehmen können, aber diese ist mit etwas mehr Aufwand hinsichtlich Buchführung verbunden und aus eigener Erfahrung in Deutschland teilweise etwas verrufen. Mittelfristig ist aber eine Wandlung zur GmbH geplant. Welche Web- und Tech-Trends verfolgst du mit besonderer Begeisterung? Persönlich finde ich die Entwicklung rund um den Bereich Tablet PCs gerade sehr spannend. Ich könnte mir gut vorstellen eins im Alltag zu nutzen, wobei es wahrscheinlich kein iPad wird, da ich kein Apple Nutzer bin und das Konzept des Closed Marketplace mit Lock-In Effekt eher abschreckend auf mich wirkt. Ansonsten beschäftige ich mich gerne mit Themen aus dem VC / Entrepreneurship Bereich, die sich darum drehen, wie man den Prozess einer Firmengründung optimiert (Stichwort Lean Start-up, Rapid Prototyping, ABTesting etc.). Wie geht es für dich persönlich weiter? Ich sehe mich in den nächsten Jahren weiterhin bei cloudControl. Mein Aufgabenbereich hat sich in den letzten Monaten gerade in den Bereichen Marketing und Sales deutlich erweitert. Hier gibt es noch vieles zu tun und vieles zu lernen. Ich werde auch mein Blogging bei Gründerszene zum Thema Finanzen weiterführen. Zudem arbeite ich gerade daran, einen eigenen Blog mit Lessons Learned aus dem Startupleben ins Leben zu rufen. Zu guter Letzt: Hast du noch einen entscheidenden Rat, den du anderen Existenzgründern mitgeben möchtest? Zu den Dingen, die ich über die letzten 1,5 Jahre gelernt habe, zählen vor Allem:- Zeit für eine Seedfinanzierung einplanen. Es dauert doch immer länger als man denkt.
- Die richtigen Investoren ansprechen. Verschwendet keine Zeit damit, Investoren anzusprechen, die nicht in eurem Segment, eurer Größenklasse oder eurer Runde finanzieren.
- Mit möglichst vielen Leuten (Zielgruppe, nicht eure Verwandten) über die Idee sprechen. Das Risiko, dass euch jemand die Idee klaut ist meist recht gering, das Verbesserungspotenzial durch viel Feedback jedoch sehr groß.
- Flexibilität behalten. Wenn man merkt, dass es in die eine Richtung nicht geht oder eine Andere deutlich attraktiver ist, dann sollte man einfach umschwenken. Ein Businessplan ist nicht in Stein gemeißelt.
