Dr. Björn Schäfers ist Geschäftsführer von
smatch.com, der größten deutschen Produktsuche für Mode, Wohnen und Lifestyle. Die unabhängige Produktsuche ermöglicht einen umfassenden Überblick über Produkte aus den entsprechenden Sortimenten und nutzt Social-Shopping- und Personalisierungs-Komponenten, um Nutzern individuell passende Produktempfehlungen zu geben. Björn war nach seinem Studium einer der ersten Mitarbeiter des Internet-Auktionshauses ricardo.de, das 2000 erfolgreich an Qxl plc verkauft wurde, und später verantwortlich für das Business Development im Bereich Neue Medien bei Otto. Er ist u.a. Autor der Bücher „
Die eCommerce-Gewinner“ und „
Preisgebote im Internet“. Seine Projekte wurden u.a. vom Bundesministerium für Wirtschaft („
Gründerwettbewerb Multimedia“) und dem Deutschen Marketing-Verband ausgezeichnet.
Du bist Geschäftsführer von smatch und shopping24. Vor knapp 3 Jahren hast du in einer Vorstandssitzung bei Otto grünes Licht für smatch bekommen. Wie war das Gefühl damals, auch von oberster Stelle Vertrauen geschenkt zu bekommen und ein neues Geschäftskonzept am Markt zu etablieren?
Das war natürlich ein großartiges Gefühl. Zum einen, solch ein neues Geschäftskonzept überhaupt aufbauen zu dürfen und zum anderen, das „Go“ dafür von einem solch erfolgreichen Unternehmer wie
Dr. Michael Otto persönlich zu bekommen, der zu der Zeit noch Vorstandsvorsitzender war.
Hattest du im Zuge der Gründung die Möglichkeit dich finanziell an smatch (shopping24 GmbH) zu beteiligen oder wurde eine andere Lösung vereinbart?
Wir haben eine andere Lösung vereinbart
Wie viel User haben die Plattformen mittlerweile? In einem Interview mit Tobias Worzyk vor zwei Jahren wolltest du noch keine genauen Angaben machen...
Mit der Offenlegung von Zahlen ist das so eine Sache. Aufgrund von Vorgaben der Otto Gruppe kann ich dazu nur so viel sagen, dass es eine 7-stellige Zahl ist und das sie immer noch wächst
Wie ist euer Monetarisierungsmodell und seid Ihr mit dieser Strategie finanziell erfolgreich?
Haupteinnahmequelle sind Provisionen, die wir für die Weiterleitung von Kaufinteressenten von einer unserer Plattformen zu den Online-Shops erhalten. Darüber hinaus ermöglichen wir anderen Plattformen
White-Label-Kooperationen, die dann Teile unserer Sortimente oder Funktionalitäten bei sich integrieren. Diese nutzen sowohl klassische Medienplattformen, Communities oder auch Online-Shops. Und ja, wir sind damit finanziell erfolgreich.
Welche Konkurrenz macht euch zu schaffen? Habt Ihr schon über Akquisitions-maßnahmen nachgedacht, bzw. gibt es Bestrebungen das bisherige Portfolio zu erweitern?
Über Akquisitionsmaßnahmen haben wir bislang nicht nachgedacht. smatch.com ist mit über 1,5 Millionen Produkten und ca. 10.000 Marken die größte Plattform in unserem Segment und sehr gut positioniert. Unser Portfolio erweitern wir schrittweise mit Special-Interest-Portalen, wie z.B. fashion24.de , living24.de oder markenpolizei.com. Zudem bauen wir unser Kooperationsgeschäft mit Communities oder reichweitenstarken Portalen aus.
Social Media - Wie wichtig sind Facebook, Twitter & Co. für smatch? Mit welchen Tools arbeitet dein Team? Lohnt sich der Aufwand?
Wichtig, mit steigender Tendenz. Wir sind natürlich auf Facebook und Twitter vertreten. Und haben im Übrigen auch gerade die weltweit erste Produktsuche innerhalb von facebook gestartet:
http://apps.facebook.com/smatch_shopping/ Wir sind aber auch auf anderen sozialen Netzwerken wie studiVZ, meinVZ oder lokalisten vertreten. Uns geht es dabei darum, die soziale Vernetzung der User zu nutzen, um ihnen bessere Kaufentscheidungen zu ermöglichen. Der Aufwand lohnt sich: Wir haben z.B. innerhalb von wenigen Wochen über 75.000 User bei studiVZ und meinVZ erreicht, die unsere Fashion-App bei sich im Profil installiert haben. Damit können User herausfinden, was für ein Mode-Typ sie sind und dazu passende Empfehlungen bekommen. Und jeder User hat ca. 120 Freunde, da hat sich allein aus Branding-Gesichtspunkten der Aufwand gelohnt.
Ihr seid jetzt seit knapp drei Jahren online, was waren die härtesten Rückschläge, die Ihr einstecken musstest? Und im Gegenzug, welche Erfolgserlebnisse sind dir in besonderer Erinnerung geblieben?
Harte Rückschläge mussten wir glücklicherweise nicht erleiden, auch wenn natürlich nicht immer alles so läuft wie erwartet. Erfolge sind mir viele in Erinnerung geblieben: Der Launch innerhalb kürzester Zeit und das erste Feedback der User, die verschiedenen Auszeichnungen, viele Funktionalitäten, die wir als Erstes umgesetzt haben wie z.B. die Shopping-App bei studiVZ, die erste iPad-App einer deutschen Produktsuche oder aktuell die erste Produktsuche in Facebook.
Was machst du, wenn du am Rechner mal nicht das Geschehen von smatch oder shopping24 verfolgst?
Dann verfolge ich das Geschehen unserer anderen Plattformen
Ansonsten versuche ich in meiner Freizeit möglichst viel Sport zu machen und mich mit Freunden zu treffen.

Welche Web- und Tech-Trends verfolgst du mit besonderer Begeisterung?
Ich bin immer dann begeistert, wenn das Internet bzw. Technologien neue Geschäftskonzepte mit echten Mehrwerten entstehen lassen bzw. Branchen verändern. In meiner Zeit bei ricardo.de haben wir gemeinsam mit alando.de bzw. später ebay.de Internet-Auktionen in Deutschland etabliert. Das zu beobachten, hat jeden Tag Spaß gemacht. Das Internet hat viele intransparente Märkte aufgebrochen und Anbieter und Nachfrager zusammen gebracht. Von Dienstleistungsplattformen, über gebrauchte Automobile bis hin zu Partnersuchen bzw. Dating-Plattformen. Das ist doch eine tolle Entwicklung und Ähnliches steht uns in vielen Branchen noch bevor. Z.B. auch im Mode- und Wohnen-Segment. Insbesondere hier wird die soziale Vernetzung der User neue Mehrwehrte bringen und Einkaufsentscheidungen erleichtern. Und dann kommt als nächster Schritt das Zusammenwachsen von Stationär- und Online-Handel. Die aktuellen Entwicklungen im Mobile-Bereich deuten schon ein wenig an, was die kommenden Jahre möglich sein wird. Darauf können wir uns freuen …
Wo steht smatch/shopping24 und Björn Schäfers in 5 Jahren?
Sowohl smatch.com als auch ich stehen dann hoffentlich mittendrin in den gerade geschilderten Entwicklungen. Auch wenn 2015 im Online-Business weit entfernt ist, traue ich uns dann noch immer eine führende Rolle zu. Wir haben eine sehr gute Ausgangsposition und mit vielen Innovationen immer wieder gezeigt, dass wir schnell auf Konsumenten- und Marktentwicklungen reagieren können.
Zu guter Letzt: Hast Du noch einen entscheidenden Rat, den Du anderen Existenzgründern mitgeben möchtest?
Keine Angst zu haben, sich mit anderen Leuten über die eigene Idee zu unterhalten. Man kann aus meiner Sicht aus Gesprächen mit erfahrenen Leuten mehr gewinnen, als dass man Gefahr läuft, dass die eigene Idee kopiert wird.
Vielen Dank für das interessante Interview. Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg mit Smatch.com!